3. Besuch/21.04.05

Auf ein Neues...

 

Kaum zu glauben wie schnell 6 Monate vergehen können!

Dafür ist in dieser Zeit einiges passiert. Es konnten gute Kontakte geknüpft werden, Freundschaften entstanden und Erfahrungen wurden gesammelt.

 

Durch die neuen EU Ein- und Ausreisebestimmungen für Hunde, Katzen und Frettchen mussten wir dieses mal genauer Planen.

Zunächst mussten wir einen geeigneten Tierarzt in Polen finden, der chippen und den EU Reisepass ausstellen konnte. Nach langem suchen und einem Zufall wurden wir fündig.

Als zweites standen Pflegestellen an der Reihe. Diese waren schnell gefunden und 3 kleine Hunde durften mit uns kommen. Weitere Bedingungen waren: entweder kastrierte Rüden oder Hündinnen und katzenverträglich sollten sie sein.

Oh je! Kastrierte Rüden? Katzenverträglich? Das wüde nicht klappen.

Also suchte ich nach Ersatzpflegestellen für den Fall der Fälle. Auch diese waren schnell gefunden.

Nun fehlten noch Sachspenden, die ein sehr lieber Mensch für uns gesammelt hatte.

 

An dieser Stelle einen großen DANK an dich Bruni und deine Helfer!!!  

4 ganze Kisten mit Decken, Bezügen, wasserfesten Matten, Handtücher, Näpfe, Leinen, Halsbänder und Spielsachen waren es!

Unerwartete Sach- und Futterspenden bekamen wir auch vom Tierheim Sulzbach, die unsere letzten Schützlinge aufnahmen.

 

Auch hier ein großes DANKESCHÖN an euch!!!

 

Nun war es so weit, alles war geplant und vorbereitet. Jetzt hieß es warten bis zum Urlaub...

Noch mal zur Sicherheit rief ich den Tierschutzverein an, der uns die Hunde abnehmen wollte, um das genaue Ankunftsdatum zu nennen.

Zu meiner Enttäuschung wurde mir plötzlich abgesagt! Der Tierschutzverein bekam unerwartet 7 eigene Hunde aus Spanien.

Was nun? Wieder so kurz vor dem Ziel eine unerwartete Wendung. Doch es gibt nichts schlechtes, was sich nicht zum Guten wenden kann... und so griffen wir auf unsere Ersatzpflegestellen zurück.

Das Tierheim Wiesbaden sagte zu und wir waren alle froh, dass es doch noch klappen würde.

 

21.04.05    Auf gehts!

Abends um 18.30 Uhr fuhren wir los. Wir machten einen nächtlichen Zwischenstopp um Kräfte für den nächsten Tag zu sammeln und Morgens um 07.00 Uhr ging es dann weiter.

Um 09.00 Uhr kamen wir im Tierheim Dluzyna Gorna an.  

Mein Herz klopfte wie wild, ich freute mich all die Hunde wieder zusehen.

Einige Hunde wurden gerade mit Knochenabfällen (Wirbelsäule) gefüttert. Die Hunde hatten sichtlich Spaß dran und es schmeckte ihnen.

An der Situation im Tierheim hatte sich nichts geändert. Ich zählte einige Hunde in den Zwingern, meistens 8 Stück. Viel zu viele...

Es stank weiterhin und es war dreckig, wie immer...

Die Dame, die die Hunde gefüttert hatte entdeckte uns und kam erfreut auf uns zu. Sie begrüßte uns und nach 2 Sätzen erkannte sie uns wieder. Überrascht fragte sie, ob wir wieder Hunde holen wollten? Wir bejahten die Frage und fügten hinzu, dass es kleine Hunde sein sollten.

Sofort führte sie uns in das Innere der Zwingeranlage, vorbei an all den Hunden. Beim vorbeilaufen fiel mir ein seltsamer Hund auf. Er war nicht mit den anderen Hunden im Zwinger, sondern im Gang, getrennt von den anderen Hunden. Appatisch und verkrampft stand er da, keine Reaktion.

Wir gingen weiter.

“Wir haben schöne Welpen“ sagte sie und öffnete eine Tür. Dunkelheit kam uns entgegen. Die Dame suchte nach dem Lichtschalter und als das Licht an ging, brach mein Herz fast in zwei!

     

   Das Foto wurde

   auf der Rückfahrt gemacht.

Dieser winzige schwarze Welpe, maximal 12 cm groß und ganz alleine! Keine Mutter, keine Geschwister, keine Artgenossen die sich um die Kleine kümmern konnten oder wenigstens Gesellschaft leisten. Die Kleine sprang hin und her, wedelte mit dem Schwanz und wimmerte und jaulte.

Ohne lang zu überlegen entschieden wir uns für sie. Sie durfte und musste mitkommen.

 

Als nächstes gingen wir ins Büro um mit dem Tierheimleiter zu sprechen. Wir erklärten ihm unsere Absichten regelmäßig zu helfen. Wir erwähnten neben bei, ein “paar“ Sachspenden dabei zu haben und fragten ob sie Verwendung für diese hätten. Erfreut baten sie uns die Sachen zu holen. Bevor wir dies taten, sprachen wir aber das Thema Chippung der Hunde an.

Wir baten den Leiter unseren Tierarzt (Zufall, es ist der zuständige Tierarzt für das Tierheim) anzurufen, und bescheid zu geben, das wir mit 3 Hunden im laufe des Vormittags kommen würden). Gesagt, getan, das nächste unerwartete Problem.

Der Tierarzt hatte keine Chips mehr vorrätig, die neue Lieferung würde erst morgen Vormittag kommen. Wir mussten aber noch heute Mittag abreisen! Der Tierheimleiter rief spontan einen 30 km entfernten Tierarzt an und fragte ob dieser Chips vorrätig hätte. Ja! Der Leiter fuhr sofort los. (Für den Tierheimleiter war es selbstverständlich selbst zu fahren, was uns erfreute, denn ein solches Verhalten ist eher selten).

In dieser Zeit holten wir die Sach- und Futterspenden. Die Mitarbeiterin des Tierheims schlug sich die Hände über dem Kopf zusammen, als sie die 4 Kisten, 3 Hundekörbe und ca. 50 kg Hundefutter sah. Sie öffnete einige Kisten, sah die vielen Handtücher und Decken, ging in die Küche und warf als erstes die alten Lumpen weg. Wir haben dem Tierheimmitarbeitern und Tieren sichtlich helfen können!

 Nun hatten wir etwas Zeit uns im Tierheim umzusehen und die restlichen Hunde auszusuchen. Wir gingen in den hinteren Bereich des Tierheims, dort wo die Kettenhunde gehalten wurden. Alte Bekannte...

Ich öffnete die Hintertür der so genannten “Hotel für Hunde“. – Ich würde gerne wissen, wer sich diesen Namen einfallen lassen hat – dass erste was mir entgegen kam, war der betäubende Geruch, nichts angenehmes! Ich ging hinein und sah mich um. Welpen. Insgesamt 4 Stück in 3 Zwingern. Einer von ihnen bettelte nach liebe und Zuneigung. Es war ein ca. 8 Wochen altes Weibchen, wunderschön, weiß - braunes Fell und verspielt.

Im darauf folgendem Zwinger, zwei ganz arme Würmer. Schwarze Fellbündel, verängstigt und eingeschüchtert versteckten sie sich vor mir. Sie kamen erst wieder raus, als ich weiter ging. Der dünnere Welpe hatte eine Hautkrankheit, ihm fehle Stellenweise das Fell.

Im 3. Zwinger ein weiterer Welpe, verspielt und lieb aber etwas vorsichtig. Er hatte glattes dunkles Fell. 

Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich alle mitgenommen, aber ich musste mich für einen entscheiden. Einen Welpen, der in Deutschland leicht zu vermitteln ist... das weiß – braune Weibchen sollte es sein.

Ein Rotweiler saß in einem weiteren Zwinger, die restlichen Zwinger im “Hotel“ waren leer. Ich ging nach draußen, atmete durch. Ging weiter zu den kleinen Hunden. Wieder so viele in einem Zwinger!

Wir suchten uns eine quirlige braun – schwarze Junghündin aus, die sehr verspielt und verschmust war. Nummer 3 dachte ich. Das sollte alles sein? Zwei kleine Welpen und eine kleine Junghündin???

Nein, unseren ersten Wurm konnte man nicht als Hund zählen. Ihn hätte man in eine Jackentasche stecken können oder als große Ratte bezeichnen können aber nicht als Hund!

Und so machte ich mich auf die Suche nach Hund Nr. 4. Wir liefen um die Zwinger, als mir wieder dieser appatische Hund auffiel.

Er stand nun seit ca. 1 Stunde auf der selben Stelle, total verkrampft. Er ließ seinen Kopf schlaf runter hängen und starrte auf den Boden. Auf liebes zurufen reagierte er nur schwach. Er wollte einen Schritt in meine Richtung machen, doch seine linken Beine waren steif, die Vorderpfote blutete etwas. Später wurde mir gesagt, dass er von den anderen Hunden gebissen wurde. Er sah schlimm aus! 

Wir liefen weiter, mein Herz schmerzte wegen des Hundes. In einem Zwinger sahen wir dann einen goldfarbenen Rüden. Er wedelte mit seinem Schwanz, schaute uns an und in seinem Blick war zu erkennen, dass er ein ganz ruhiger Geselle war. Er sollte der 4. Hund sein.

Wir gingen wieder ins Büro um der Mitarbeiterin unsere Hunde zu nennen. Während dessen, bekam ich mit, das das Tierheim auch eine Katzenstation hatte. Ich lies sie mir zeigen, und war entsetzt in was für einem Raum die Tiere leben müssen. Mehr Keller als Zwinger, ein kleines Fenster und eine Tür zum Freilauf. Dieser Raum hatte nur einen Schrank als Schlafplatz für die Katzen gedacht. Eine Wärmelampe stand im Raum, gedacht für das kleine Kätzchen im Käfig. 8 Katzen sollten es sein, doch ich sah nur 3, eine von ihnen total verstört.

 

Die Schlafplätze

 

verstörte Katze   

 

unten links

die kleine Katze

Zwischenzeitlich kam der Tierheimleiter wieder zurück, im Gepäck die Chips. Wir machten die Hunde startklar, verabschiedeten uns bis zum Nächsten mal und fuhren zum Tierarzt. Dort verbrachten wir nochmals 2 Stunden mit Impfen, chippen und dem ausstellen der EU Reisepässe. Die Welpen konnten nicht gechippt werden, da sie noch zu jung waren.

 

Gegen 13.30 Uhr machten wir uns auf den Heimweg. Die Hunde saßen in ihren Transportboxen, die kleine schwarze Hündin hatte ich die ganze Fahrt auf meinem Schoß.

Um 20.30 Uhr kamen wir Zuhause an. Wir gaben den Hunden was zu fressen und trinken, gingen mit ihnen vor die Tür und wuschen sie (Die Hunde haben einen extremen Geruch an sich, eine Mischung zwischen Hund, Kot und Urin). Dann sind wir alle totmüde aber glücklich das alles gut gelaufen ist, schlafen gegangen.

Am nächsten Morgen fuhren wir zum Tierheim Wiesbaden, um die "Nasen" in eine bessere Zukunft zu geben.

 Auch an dieser Stelle, vielen lieben DANK an das Tierheim Wiesbaden, ohne Pflegeplätze wäre das alles nicht möglich gewesen!!!

Sachspenden im Tierheim Dluzyna Gorna

 

  Abteilung für

  Blinde, sie haben ein

  eigenes Refugium.

 

Alte Bekannte