Soll ich lachen oder weinen...?

4. Besuch/14.10.05

 

Am 14.10.2005 war es soweit, unsere 4. Fahrt nach Polen zum Tierheim Dluzyna Gorna war organisiert. Unser Auto war das erste mal, bis an die Decke mit Transportboxen und Sachspenden gefüllt!

Unter den Sachspenden waren ca. 100 kg Hunde- und Katzenfutter, 2 Katzenkratzbäume und -schlafplätze, Katzenstreu und -WCs, Hundekörbe, Hundeleinen und Halsbänder, Futternäpfe und unzählige Decken und Handtücher, sowie Flohhalsbänder und Bürsten.  

 

An dieser Stelle bedanken wir uns ganz herzlich bei allen Spendern, dem Tierschutz ohne Grenzen Forum und dem Tierheim Sulzbach für ihre Unterstützung!

 

14.10.2005    Auf ein Neues...  

Freitags um 15.30 Uhr fuhren wir los. Das Glück war nicht auf unserer Seite und so brauchten wir für 200 km 4 Stunden. Gegen 23.00 Uhr waren wir noch 200 km von der Grenze entfernt, und beschlossen eine nächtliche Pause einzulegen. Am nächsten Tag um 6.00 Uhr morgens ging es dann, mit neuen Kräften weiter. Gegen 8.30 Uhr und 2 Grad Außentemperatur kamen wir an unserem Ziel an.

Die Gegend um das Tierheim ist traumhaft, Nebel und Stille umhüllte die Wiesen und Wälder, als man vom Weitem die Hunde bellen hörte...

Gewohnter Anblick, das TH hat sich nicht viel verändert. Nach einer kurzen Begrüßung der Tierheimmitarbeiter und einem Gespräch, fuhren wir unser Auto auf das Tierheimgelände, um es auszuladen. 

Wehrend die Sachen ausgeladen wurden, lief ich über das Gelände, auf der Suche nach einem ganz bestimmten Hund, den ich das letzte mal zurücklassen musste...

Ich lief an all dem Leid vorbei... diese bittenden Blicke, das Bellen und Winseln, das Schwanzwedeln und dann die Blicke, die an nichts mehr glaubten, kurz aufblickten und dann wieder wegschauten.

Ich fühlte den Verrat an den großen Hunden, die ich nicht nehmen durfte! Auch sie hätten eine bessere Zukunft verdient!

... den einen den ich suchte fand ich nicht. Die TH Mitarbeiter wussten nicht von welchem Hund ich sprach... wie den auch, bei 160 Hunden, die kommen und gehen, ohne jemals einen Namen gehabt zu haben, höchstens eine Nummer am Halsband oder im Ohr.... ich hoffe, das er es geschafft hat und ein schönes warmes Zuhause gefunden hat!

Mit Schmerzen im Herzen und einem schlechten Gewissen, den einen nicht gefunden zu haben, und die großen hier lassen zu müssen, lief ich zu den mittelgroßen Hunden... Ich stand vor den Zwingern und fragte mich welcher es sein sollte? Keine Antwort.... ein TH Mitarbeiter kam auf mich zu und fragte ob ich mir schon alle ausgesucht hätte, ich antwortete mit Nein, wie denn, bei all den Hunden. Er wunderte sich, wieso es mir so schwer fiel einen Hund auszusuchen...  

Ich lief all die Zwinger ein 2 mal ab... dieses mal vorbei an den Katzen. Es waren ca. 20 Katzen, darunter viele Junge... an der Situation hatte sich nichts geändert. Bei den Katzen, wie auch bei den Hunden war es dreckig.

Als die Katzen mich erblickten, kamen sie wie Hunde angelaufen, miauten und drückten sich an die Gitter. Eine kleine Katze sprang an die Gitter und hing in meiner Kopfhöhe. Es war so furchtbar.

 

Auch sie musste ich zurücklassen...

Aus Verzweiflung fragte ich meine Mutter, welche Hunde es sein sollten... aber auch sie hatte Tränen in den Augen und wusste nicht weiter. Das Gefühl der Resignation kam auf.

Ich lief ein drittes mal über das Gelände, dieses mal musste ich mich für 8 Hunde entscheiden. Schweren Herzens zeigte ich auf einzelne Hunde. Ich stand vor den Zwingern, fragte mich, ob es die richtige Entscheidung war... ob es nicht irgendwo noch einen Hund gab, der meine Hilfe dringender brauche... diese Frage stellte ich mir noch sehr oft.   

 

...war meine Entscheidung die Richtige?

Als alle Hunde ausgesucht waren, wurden sie in einen Transporter geladen, mit dem wir zum Tierarzt fuhren.

Beim Tierarzt wurden alle Hunde nach ihren Registriernummern durchsucht, als auffiel, das eine kleine Hündin überhaupt nicht registriert war. Sie konnten wir leider nicht mitnehmen, da keine gültigen Impfungen bekannt waren...

Nachdem alle Hunde ordnungsgemäß den Büchern zugeordnet werden konnten, sagte uns der Tierarzt, dass er Nachmittags ins Tierheim kommen würde und alles Notwendige vor Ort mache. Also fuhren wir wieder zurück ins Tierheim. Dort trennten wir Rüden und Hündinnen in 2 verschiedene Zwinger und füllten noch Papierkram aus... 

Da wir unsere Rückfahrt erst für Sonntag geplant hatten, und wir nichts mehr für die Tiere tun konnten, fuhren wir nach Stunden, die mir vorkamen wie Tage weiter ins Landesinnere.
 
Auf diesem Weg, erzählte mir meine Mutter, mit Tränen in den Augen, von einem großen schwarzen Teddybär in der Quarantänestation (ich wusste von welchem Hund sie sprach). Dieser Teddy hätte sich bei ihr ausgeweint, sie angefleht ihn mitzunehmen... gewinselt und gebettelt... sie musste ihm den Rücken zukehren.
Wir heulten beide los....

Sonntags fuhren wir wieder ins Tierheim. Ich versuchte von allen Hunden Fotos zu machen, bevor wir sie in ihren Transportboxen brachten.

 

Ein letztes mal lief ich an all den Tieren vorbei, ich streichelte sie, versprach wiederzukommen.

Der Weg nach Hause

Leider hatten wir auch dieses mal viel zu viele Baustellen unterwegs, so das wir erst gegen 23.00 Uhr in der Nähe der Tierheime waren. Viel zu spät, also fuhren wir mit unseren 8 Schützlingen zu unserem Schrebergarten. Wir luden alle 8 Hunde aus und ließen sie im Garten toben und versorgten sie mit Wasser, was sie nach 7 Stunden Autofahrt brauchten.

Auch wir erlaubten uns eine erste richtige Pause. Wir setzten uns auf die Sitzbank, als plötzlich 5 Hunde auf uns zugestürmt kamen, sie sprangen auf die Bänke und drückten sich mit ihren Körpern an uns, leckten uns die Hände und Gesichter ab, wedelten aufgeregt mit ihren Schwänzen und wimmerten vor Glück. Dagegen wehren konnten wir uns nicht, den es war ein Augenblick voller Liebe und Dankbarkeit!

Das war der Augenblick, an dem ich merkte, das es die richtige Entscheidung war. Nicht die Entscheidung welche Hunde wir gerettet haben war wichtig, sonder die Entscheidung, dass wir welche gerettet haben!
Diese Hunde kannten uns nicht, sie wurden von fremden Menschen in Zwinger gesperrt, ohne Auslauf und Zuneigung,  von uns in kleine Boxen gesperrt, mussten Stunden in ihnen verbringen... und trotzdem sind sie so dankbar! Sie alle suchten nach Liebe, streichelnden Händen, nach einer Umarmung und nach lieben Worten! Unvorstellbar dieses liebe Wesen... wenn doch nur Menschen so wären!

 

Der lange, schwere und kostenaufwendige Weg hat sich gelohnt, den wir können nicht die ganze Welt retten, aber die ganze Welt eines Tieres. An diesem Wochenende haben wir 8 Welten retten können...

Gegen 1.30 Uhr fielen wir in Schlaf, ich in einem Klappbett mit 3 Hunden auf der Decke *g*, die es einfach nicht lassen konnten, nach Liebe zu betteln. Der Rest verteilt in der Gartenhütte und draußen...

Am Montag fuhren wir Ronja und Tinka ins Tierheim Mainz, Apollo und Jacky ins Tierheim Sulzbach und Umgebung, Asa, Aik und Lili ins Tierheim Gernsheim / Klein Rohrheim und Kubusch fand seine Pflegestelle bei uns.

 

An dieser Stelle, vielen lieben DANK an das Tierheim Mainz, das Tierheim Sulzbach und Umgebung und das Tierheim Gernsheim/ Klein Rohrheim ohne Pflegeplätze wäre das alles nicht möglich gewesen!!!


Ich persönlich, bin zu dem Entschluss gekommen, das meine bisherige Hilfe nicht ausreicht, ich alleine kann niemals alle retten, doch wenn mich ein paar liebe Menschen unterstützen würden, dann könnten wir es gemeinsam schaffen! Ich muss öfter runter fahren und mehr helfen!

Das ist ein Versprechen an die Tiere da unten!!!

 

 Was hat sich im TH gebessert und was ist neu?

Das TH hat jetzt eine neue Zwingeranlage im hinteren Bereich. Es sind ca. 5 mittelgroße Zwinger, in denen tatsächlich nur 3-5 Hunde (je nach Größe) untergebracht sind.
In den Zwingern gibt es feste Hundehütten (2 Stück), die meisten mit Decken ausgelegt.
Die Zwinger sind überdacht und haben Halterungen für Schüssel, die meisten waren auch voll mit Wasser.

Zum ersten mal sah ich im TH normales Hundefutter! Im OP Raum waren unzählige Paletten mit Dosenfutter gestapelt, die nicht von uns waren *g* und nirgendwo fand ich die Brötchen-Brot-Pampe, wie vor einem halben Jahr.

In den alten Zwingern findet man jetzt im inneren Bereich Europaletten, auf denen die Hunde liegen können. So müssen sie nicht mehr auf den kalten Fließen liegen.
Alle Kettenhunde hatten Wasserschüssel.
Und unsere Sachspenden von der Aprilfahrt haben Verwendung gefunden! In den Quarantänezwingern lagen die Hundekörbe ausgelegt mit Decken oder Handtüchern.

Was ist beim Alten geblieben?

Ich zählte in einem der alten Zwingern 11 große Hunde!
In einem anderen war ein Hund gegenüber seiner anderen Insassen sehr aggressiv, verbiss alle. Platzmangel...
Es war wie immer dreckig... die Tiere sind alle voller Urin und Kot, sind verfilzt und verfloht.
Unter den Hunden gab es einige, die sehr abgemagert waren. Ob sie so gefunden wurden oder erst im TH dünner geworden sind weis ich nicht.
Futter ist trotz der Lieferung ein großer Mangel. Die Katzen (von denen es dieses mal ca. 20 gab) wurden mit Hühnerbeinen gefüttert.
Zuneigung oder Gassigänge gibt es bei den Zwinger- und Kettenhunden nicht. Nur wenige können sich frei auf dem Geländer bewegen.

Einige Mitarbeiter gehen recht gewalttätig mit den Hunden um, was aber selten notwendig ist, den mit etwas Ruhe und dem richtigen Händchen, schafft man alles.

Schlussendlich fehlt es immer noch an allem...