Kampf gegen Windmühlen April-Fahrt 2011
 

Im April besuchten wir das Tierheim DG seit langer Zeit wieder. Leider war es in den letzten 10 Monaten einfach nicht möglich den weiten Weg auf sich zu nehmen. Doch nun stehen wir hier. Verändert hat sich kaum was. Rund 210 Hunde befanden sich im Tierheim. Im März 2011 erreichte das Tierheim einen traurigen Rekord von 231 Hunden (max. Aufnahmekapazität wären 150 Hunde).  Die Vermittlung ging mehr als schlecht, obwohl viele kleine und liebe Hunde im Tierheim auf ein neues Zuhause warteten. Die Überfüllung war deutlich zu spüren, es schien so, als würde sie uns die Luft zum Atmen rauben. In jedem Gruppenzwinger zwischen 6 und 10 Hunde. In den wenigen Tagen vor Ort, gab es täglich mehrere Beißereien.  Selbst wenn man nur an den überfüllten Zwingern vorbeilief, gingen die Hunde aufeinander los. In den Quarantäneeinzelzwinger saßen fast nur verletzte oder operierte Hunde, die der Tierarzt nach einer Beißerei zusammenflicken musste. Teils waren diese Zwinger sogar mit 2 Hunden belegt. Das Fotografieren von einzelnen Hunden war unter diesen Bedingungen unmöglich. Es wurde ein Aufnahmestopp bis Ende Mai ausgesprochen, trotzdem fanden fast täglich Fundhunde den Weg ins Tierheim. Und bei jedem neuen Schützling fragte man sich, in welchen überfüllten Zwinger dieser nun sollte. Es ist ein großes Rätsel wo all diese Hunde herkommen. Tragisch aber leider nachvollziehbar, in dieser Zeit gab es auch viele Todesfälle aufgrund der Überfüllung. Mit jedem Schritt durchs Tierheim, wurde das Atmen schwerer und die Hoffnungslosigkeit immer Größer. Wo soll man für all diese Tiere ein Zuhause finden? Wie soll man all diese unschuldigen Seelen artgerecht unterbringen und versorgen? Es ist ein hoffnungsloser Kampf gegen Windmühlen, der mir sogar jetzt beim Schreiben des Berichtes die Tränen in die Augen schießen lässt.

Unter den vielen Hunden befanden sich auch kleine, liebevolle und verschmuste Senioren. Bei einigen davon machten wir uns ernsthafte Sorgen um ihr Leben… Auch hier könnte ich wieder losheulen, denn diese alten Seelen sind sowas von lieb und sanft. Niemand von ihnen bekommt Medikamente, und sicherlich brauchen sie alle etwas fürs Herz, gegen Schmerzen oder andere Wehwechen. Sie liegen auf kaltem, nassem Beton oder auf nassem Holz, keine wärmende Decke, kein weiches Körbchen, keine liebevolle Stimme, die ihnen sagt, wie sehr man sie liebt. Mir schmerzt das Herz sie so zurück lassen zu müssen!
So entschieden wir uns einen Rundruf in Deutschland zu starten und schickten von einigen Notfällen Bilder und Beschreibung auf den Weg. Wir konnten es kaum glauben, aber bereits nach einem Tag hatten wir für 2 Senioren eine Zusage! Da die Hunde bereits ausreisefähig waren, durften sie auch einige Tage später in ihr neues Zuhause reisen. Ein Tropfen auf den heißen Stein, ein Grund mehr weiter zu machen…

Ein weiterer Notfall war Balou. Hoffnungslos verfilzt, es ärgerte mich unglaublich, dass die Pfleger für so etwas kein Auge haben bzw. es nicht für nötig halten sich darum zu kümmern. Mit einer Schere bewaffnet (da die Schärmaschine weggeschlossen war), schnitt ich ihm die schlimmsten „Teppichstücke“ weg. 2 Tage später bekam ich auch die Schärmaschine in die Hand und konnte Balou von seinem Fell befreien. Kaum wieder zu erkennen… und mit dieser neuen Frisur durfte er auch einige Monate später in sein neues Zuhause reisen.

Balou vorher… nachdem die Schere im Einsatz war …

 


… und fertig.

Einen ganz seltenen Besuch bekam das Tierheim von 2 amerikanischen Familien. Sie brachten 2 Kofferräume voll Spenden mit. Das Tierheim DG bedankt sich herzlich dafür!

Endlich kommen wir unserem Traum von Ausläufen für die Hunde in DG näher – greifbar näher. Der Bau soll in 2 Tagen beginnen und der Tierheim- sowie der Bauleiter besprechen die Pläne ein letztes Mal.

Unser Auslaufprojekt hat den Tierheimleiter auf eine neue Idee gebracht.  Grundsätzlich soll jeder Hund die Ausläufe nutzen können, doch die Gruppenhaltung macht dies nicht möglich. Die Hunde einzeln aus oder in die Zwinger / Ausläufe zu bringen verursacht im Rudel Aggressionen und Beißvorfälle. Deshalb soll zum Ende des Jahres eine Zwingerreihe gebaut werden mit 6 Zwingern und je 25 m² Auslauf angrenzend an jeden Zwinger. Für die Zukunft heißt das, dass kleine und mittelgroße Hunde in auslaufähnlichen Zwingern leben werden. In die frei gewordenen „kleinen“ Zwinger dürfen große Hunde oder unverträgliche Hunde einziehen. Diese können von den Pflegern in die neuen Ausläufe geführt werden und können sich dort austoben. Und wenn der Bagger schon vor Ort ist, dann wird das ausgenutzt. Der Boden wurde bereits für die Zwingerreihe vorbereitet.
Alles über den Bau der neuen Zwingerreihe können Sie >>> hier <<< verfolgen.

Tag des Abschieds… mit einem lachendem und einem weinenden Auge. Der Bau der Ausläufe wurde wirklich angefangen, die Rinnen für die Betonsockel wurden bereits gezogen. Alles über den Bau der Ausläufe können Sie >>> hier <<< nachlesen.

  

Während unseres Aufenthaltes schafften wir es für ca. 10 Hunde Pflege- und Endstellen zu finden. Zu unserer großen Freude fanden 3 deutsche Tierschutzvereine den Weg nach DG und übernahmen ebenfalls Hunde und wie es der Zufall will, stieg auch die Vermittlung im Tierheim wieder an.