Neun Tage Urlaub im Tierheim Dluzyna Gorna

Juli 2008

 

Bericht über die Privatfahrt von Joanna Schipula ins Tierheim Dluzyna Gorna

Vorwort
Nach langer Zeit melde ich mich wieder zurück. Das Jahr 2008, brachte für mich persönlich bisher kaum Gutes mit sich. Nur ein Mal konnte ich das Tierheim Dluzyna Gorna besuchen und Sachspenden und Hundefutter überreichen. Der Besuch beschränkte sich, wie so oft, auf wenige Stunden. Durch viele verschiedene Gründe ist es mir nicht möglich gewesen öfters zu fahren.

Wieder Zuhause angekommen quälten mich die Eindrücke und Gedanken, nicht genügend getan zu haben. Gerade mal eine Fahrt und das bis Juni… letztes Jahr waren es 3 Fahrten! Das Gefühl in Ketten gelegt worden zu sein und den eigentlichen Grundgedanken des Tierschutzes verloren oder vielleicht auch „nur“ den Weg dahin verboten bekommen zu haben, quälte mich.

Irgendwie musste ich das ändern… was gab es naheliegenderes als seinen Sommerurlaub dafür zu nutzen?

Auf geht`s! Donnerstag 17.07.2008


Auto ist gepackt, ca. 210 kg Hundefutter, einige Decken und Handtücher, Kastrationsspenden wie Kragen, Handschuhe usw., Leinen, Halsbänder, Näpfe, Transportboxen und Spielsachen füllten das Auto bis unters Dach. Die Reifen kamen bei der Last gefährlich nahe an die Radkästen… "Oh je, ob mein alter Kadett das packt? Egal, das Tierheim leidet unter Futtermangel, ich kann nichts Zuhause stehen lassen." Das letzte und wichtigste, was noch eingepackt werden musste, war mein alter Herr – Blacky, 18,5 Jahre alt, er durfte nicht fehlen.
Abends gegen 18.30 Uhr ging es dann Richtung Autobahn. Die Strecke erstaunlicherweise frei, nur ein paar wenige Baustellen unterwegs. Auf  ¾ Strecke eine kurze Pause, Tanken, meinen alten Herren mal eine Runde auf dem Parkplatz drehen lassen und weiter.
Um 00.30 Uhr, Freitag morgens kam ich endlich auf dem Campingplatz an.

Freitag 18.07.2008 / 1. Tag

Morgens gegen 9 Uhr ging es dann weiter zum Tierheim Dluzyna Gorna. Dass ich mich bei jeder Fahrt auf das Tierheim freue, muss ich wohl kaum erwähnen. Was gibt es neues? Wie viele Hunde sind im Tierheim? Ist das Katzenelend wieder so groß wie letztes Jahr? Die unzähligen Schlaglöcher auf dem Weg ins Tierheim rissen mich immer wieder aus meinen Gedanken. Im Schneckentempo ging es das letzte Stück zum Tierheim, durfte ich doch mein Auto nicht zu sehr strapazieren… 210 kg Hundefutter plus Sachspenden sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Von weitem erblickte ich die Schweinezuchtanlage, dann das Tierheim. Von weiten erblickte ich eine fremde Tierpflegerin. Ich fuhr langsam aufs Tierheimgelände, vorbei an all den Kettenhunden. Viele erkannte ich wieder und dachte „schade, ihr seit noch da…“
Als ich aus dem Auto ausstieg, kam die fremde Tierpflegerin mit Schlauch und Besen bewaffnet auf mich zu und begrüßte mich, gleichzeitig stellte ich mich vor. Domenika ist eine junge, überaus nette und sehr tierliebe Frau. Zum Tierheim kam sie über eine gute Bekannte, Mariola, die dort gelegentlich ehrenamtlich arbeitet.
Kurzer Blick auf die Uhr, dann lief sie lächelnd in Richtung Zwinger und entschuldigte sich. Ein solches Verhalten hatte ich seit Jahren nicht mehr bei einem Pfleger gesehen… war es Freude an der Arbeit?

Mit einem schmunzeln ging ich durchs Tierheim. Die gute Stimmung endete schnell. In jedem Zwinger saßen Hunde. Ok, das war schon immer so, aber die Anzahlt ist gestiegen. In den neuen Zwingern saßen glücklicher Weise max. 2 Hunde, in den Zwingern aus dem Jahr 2007 sah es leider anders aus. Je nach Größe der Hunde waren sie mit bis zu 7 Tieren vollgestopft.

Auch die ganz alten Zwinger waren brechend voll.

 


Alle Quarantänezwinger waren belegt, in einigen saßen 2 Hunde. Auch die eigentlichen Quarantänezwinger für Katzen waren mit Hunden belegt. Ein Blick zu den Katzen… wie sollte es auch anders sein? 10 bis 15 Jungkatzen jeden Alters wuselten durch den Zwinger.
„So voll…“ ging es mir durch den Kopf.

 

Traurig ging ich weiter.

Im Tierheim haben sie zusätzlich, zu den noch kleinen Bäumen, Zaunelemente aufgestellt. Diese spenden den Hunden Schatten.

 


Nach einer ersten Runde durchs Tierheim halfen mir zwei Pfleger das Hundefutter, die Kastrationsspenden und die restlichen Sachspenden aus dem Auto zu laden. Gerade in diesem Augenblick kam auch der Tierheimleiter.
Wir begrüßten uns und gingen zusammen in sein Büro. Dort sprachen wir eine zeitlang über die aktuelle Situation, weshalb das Tierheim so überbelegt ist, das stetige Pflegerproblem und vieles mehr. Zwei Punkte fielen mir besonders auf.

1. Negativpunk: Anhand Unterlagen kann man nachvollziehen wie viele Tiere im Monat im Tierheim aufgenommen werden. In der Regel handelt es sich um 30-40 Hunde im Monat. Im ersten Halbjahr 2008 sprang ein Monat besonders ins Auge, wo über 60 Hunde aufgenommen werden mussten. Nachweise wieso es plötzlich fast doppelt so viele Hunde waren, als in den anderen Monaten gibt es keine. Vermutet wird aber, dass die umliegenden Gemeinden, die kein eigenes Tierheim bzw. kein Vertragstierheim haben, sich „ihre Streuner“ entledigen, in dem sie die Tiere einfangen und auf Vertragsgebiet des Tierheim Dluzyna Gorna wieder laufen lassen. Das Tierheim ist dann verpflichtet die Tiere aufzunehmen…
2. Positiver Punkt: Die neue Pflegerin Domenika wird in hohen Tönen gelobt. Sie macht ihren Job nicht, weil er Geld bringt, sondern weil sich jemand um die Tiere kümmern muss. Dies wird von ihr sehr verantwortungsvoll erledigt, man könnte es fast deutschen Verhältnissen gleichstellen. Sie treibt die restlichen Pfleger zur besseren Arbeit an und das Klima im Tierheim ist freundlich. Bei Vermittlungen bemüht sie sich immer die richtigen Tiere zu finden (Es ist nicht selten, dass Besucher ins Tierheim kommen und keinen passenden Hund bei 180 Stück finden!). Ebenso achtet sie auf die Gesundheit der Tiere, meldet kranke und verletzte Tiere und geht mit diesen sogar spazieren – solang die Zeit das zulässt.

Herr Kula, der Tierheimleiter entschuldige sich bei mir, da er noch einiges an Arbeit zu tun hätte und so machte ich mich auch an die Arbeit.

Die Katzen wurden mit frischem Futter versorgt, Aufzugsmilch wurde aufgekocht und verteilt, die Katzenklos wurden gereinigt und dann musste man natürlich auch mit jeder Katze schmusen.

 

Bei dieser Gelegenheit schaute ich mir von allen Katzen die Augen und Nasen an. Sie waren glücklicher Weise sauber, nicht verklebt. Trotzdem hörte man hier und dort ein Niesen. Leider hatten auch viele Katzen Durchfall…

Nachdem die Katzen mehr oder weniger Versorgt waren, katalogisierte ich einige Hunde. In der Zwischenzeit war „Schichtwechsel“ und somit stand nur noch ein Pfleger für den restlichen Tag zur Verfügung. Da dieser alle Hände voll zu tun hatte, half ich ihm beim Auffüllen der Wassernäpfe und anderen Sachen.

Als langsam Ruhe im Tierheim einkehrte und sich der Tage zu Ende neigte, ging ich noch mit 2 großen Kettenhunden spazieren. Diese Aktion ist immer eine große Überraschung und macht sehr viel Spaß, denn man weis ja nie, wie sich die Tiere draußen an der Leine, gegenüber anderen Hunden, Katzen, Wild oder Ziegen geben. Der erste Hund war die Nr. 337, ein richtiger Wildfang. An der Leine laufen ging gar nicht, er zog wie wild, mal links, mal recht, vor und zurück. Wenn er gekonnt hätte, dann wäre er in alle Richtungen gleichzeitig gelaufen. Nach 30 min ließen mich dann meine Kräfte im Stich und ich musste ihn zurückbringen. Gerne hätte ich ihn von der Leine gelassen, hatte er doch so viel Power und wusste nicht wohin damit…
Der zweite Rüde war ein ruhiger Kerl, mit anderen Hunden hatte er nicht direkt Probleme, doch musste ich ihn früh genug zurechtweisen damit er es verstand. Auch mit ihm ging ich eine schöne Runde am Wald entlang und über die Wiesen, er genoss seinen Spaziergang richtig. Auch für ihn kam aber die Zeit, wieder zurück an die Kette zu müssen.

Kaum im Tierheim angekommen fing es auch an zu Regnen, da es schon spät Abends war, verabschiedete ich mich und machte mich auf den Rückweg zum Campingplatz…

Samstag 19.07.2008 / 2. Tag

 

10.00 Uhr, im Tierheim DG herrscht Hochbetrieb. Die Zwinger werden gereinigt, das Trinkwasser gewechselt, Futter verteilt. Das Reinigen der Katzenzwinger und die Versorgung der Katzen übernehme ich für die nächsten Tage, damit die Pfleger entlastet werden. Im Katzenzwinger entdecke ich eine neue erwachsene „Glückskatze“. Sie war sichtlich verstört, daher ließ ich sie in Ruhe. Nachdem der Zwinger gereinigt war, wurde Katzenmilch aufgekocht, Nass- und Trockenfutter verteilt, Wasser ausgetauscht. Zum Schluss kam die „Kuschel-Kontrollrunde“. Jede Katze wurde begutachtet, Augen, Nase und Ohren wurden kontrolliert. Soweit ich das beurteilen konnte, sahen die Katzen gut aus. Das einzige was man ändern musste war der Durchfall. Aber ohne eine Rundumbeobachtung konnte ich nicht feststellen, welche Katzen Durchfall hatten. Schlussendlich mussten sie alle dagegen behandelt werden, so wären alle auf der sicheren Seite.


Gegen Mittag kamen die Fliesenleger ins Tierheim. Besonders erfreut war ich darüber, dass sie sogar die alten Innenzwinger am fliesen waren. Ursprünglich waren ja nur die Katzenzwinger und die Hundequarantänezwinger geplant. Mittlerweile müsste das ganze Tierheim neu gefliest worden sein! In fast jedem Zwinger waren auch Liegebretter, die die Hunde dankend annehmen.

 

 

Auf dem Bild in der Mitte ist ein gefliester Zwinger, leider schwer zu erkennen.

Nachmittags wurden weitere Hunde katalogisiert, was einige Zeit in Anspruch nahm. Zuerst mussten die Hunde gefunden werden, was  nicht ganz einfach ist, wenn man nach Beschreibungen geht. „Braun-schwarz, ca. 6 Jahre, kniehoch, Zwinger x“ – Eine solche Beschreibung passt bei der Überbelegung auf ca. 2-3 Hunde im Zwinger. Um ganz sicher zu sein, wurden die Chipnummern kontrolliert. Wenn der richtige Hund gefunden wurde (mir waren die Langzeitinsassen besonders wichtig), wurde er eingefangen und aus dem Zwinger geführt. Diese Aktion ist nicht ganz einfach, auch das zurückbringen in den Zwinger ist ab und an problematisch, denn die ranghöheren Hunde gehen direkt auf den „Neuen“ los. Glücklicher Weise gab es an diesem Tag keine Probleme. Die Hunde wurden fotografiert und um ihnen nicht so viel Stress zuzumuten gleich wieder zurückgebracht (leider, gäbe es einen Auslauf wäre die ganze Aktion viel harmonischer).

Nachdem einige Zeit verging und der Pfleger sich anderen Aufgaben zuwenden musste, überlegte ich, wie ich mich noch nützlich machen konnte. Als ich mir die Kettenhunde ansah, viel mir ihr struppiges Fell auf. Ich schnappte mir eine Bürste und kämmte alle Kettenhunde im hinteren Bereich des Tierheims durch. Sie alle waren unheimlich lieb, darunter mein Schatz Aaron und der arme Aiko. Es machte viel Spaß die großen und ach so gefährlich aussehenden Hunde zu schmusen und bürsten. Als ich fertig war, sahen sie ein klein wenig gepflegter aus…

 

 

Sonntag 20.07.2008 / 3. Tag 

 

An diesem Tag kam ich später ins Tierheim. Kasik der alte Tierpfleger war wieder da. Er begrüßte mich und sagte stolz „ich hab schon zwei Hunde vermitteln können“. Das war ein schöner Tagesanfang, denn bei einem der Hunde handelte es sich um einen eher unberechenbaren Hund. Auch wenn ich mich bei jeder Vermittlung freue, so bleiben ein paar Sorgen bestehen. Wird es dem Tier gut gehen? Wird es ein Familienhund oder ein typischer polnischer Kettenhund? Bei einem aggressiven Hund wird wohl das Zweite zutreffen – leider. Aber schlussendlich ist das besser als das Tierheim. Bis sich in Polen die Einstellung zum „Nutztier“ ändert, wird es noch lange dauern.

Kasik wusste, dass ich heute später ins Tierheim kommen würde, so dass die Katzen bereits versorgt waren. Trotzdem wollte ich nach den Rechten schauen gehen. Als ich die Tür zur Katzenquarantäne öffnete, wo sich nur Hunde befanden, erblickte ich einen kleinen Karton auf dem Boden liegen. Daneben zwei Schälchen mit Futter und Wasser. Als ich verblüfft in den dunklen Karton schaute, brach mir fast das Herz. Ein ca. 4 Wochen alter Welpe saß verängstigt darin. Ich nahm ihn auf den Arm, er fing sich sofort an zu freuen und schleckte mir die Finger ab. Ein Mädchen. Ich lief mit der Kleinen zu Kasik und fragte wo die Kleine herkäme. Er sagte, sie wurde morgens abgegeben, alleine ohne Mutter ohne Geschwister. Und nun fing mein Urlaub richtig an…

Als erstes wurde wieder Milch aufgekocht, die Kleine und die Kätzchen hatten keine bekommen. Der kleine Welpe bekam eine dicke Decke mit Körbchen, bei den Katzen wischte ich kurz durch. Beim füttern erblickte ich die erwachsene Glückskatze wieder. Der Anblick den sie mir bot, brachte mir ein großes Grinsen ins Gesicht. Sie lag auf einem der Kratzbäume umzingelt von 6-7 Katzenkindern jeden Alters, sie alle saugten an ihr und sie putzte die Kleinen. Das war gut, die kleinen Kätzchen brauchten jemanden, der sich um sie kümmerten.

In den letzten zwei Tagen fiel mir eine kleine Hündin ins Auge. Ich dachte sie wäre ein Welpe, doch im Aufnahmebuch stand, dass sie bereits ca. 2 Jahre alt war. Heute nahm ich mir die Zeit um sie näher anzuschauen. Doch als ich zu ihrem Zwinger ging, war sie nicht mehr da. Sie wurde in einen Gemeinschaftszwinger verlegt. Dort saß sie ängstlich in der Ecke und zitterte am ganzen Leib. Ich konnte mir dieses kleine Wesen nicht länger anschauen, also holte ich sie aus dem Zwinger. Sie war ganz lieb, blieb ruhig auf dem Arm sitzen. Es fing an zu regnen, also brachte ich die Kleine in den Flur des Tierheims. Dort streichelte ich sie eine lange Zeit. Sie war wirklich sehr lieb, machte keinen einzigen Versuch wegzulaufen und das ohne Leine. Damit sie zur Ruhe kommen konnte, brachte ich ihr zwei Decken, eine zum Drauflegen und eine zum Zudecken.

Da meine Mutter ebenfalls in Polen war bzw. für mich ihren Urlaub verlängert hat, fuhr ich zum Campingplatz zurück um sie mit ins Tierheim zu nehmen und ihr den kleinen Welpen zu zeigen (wusste ich doch genau, dass sie ihn sofort mitnehmen würde und aufpäppelt *g*) Gesagt und getan. Als wir wieder zurückkamen, lag die kleine Mischlingshündin im Büro, dick eingepackt von Kasik, „es regnet und ihr war kalt“.

Als meine Mum den kleinen Welpen erblickte, wurde ihr Herz weich… Welpen schaffen das immer^^ Also wurde nicht lang überlegt, die Kleine braucht einen warmen und ruhigen Ort.

Wir beschlossen den Tag heute früher zu beenden und sich um den kleinen Welpen zu kümmern. Eine letzte Runde durchs Tierheim, die Katzen noch schnell gefüttert und dann wollten wir los. Als ich die kleine Mischlingshündin schweren Herzens wieder in den Zwinger bringen wollte, winkte Kasik ab und sagte „lass sie hier, sie läuft ja eh nicht weg“. Ich lächelte ihn an und bedankte mich.

Auf dem Campingplatz angekommen, satt und warm…

… auch wenn wir heute nicht viel getan hatten, so waren wir alle recht müde und froh, dass alles gut gelaufen ist.

 

Montag 21.07.2008 / 4. Tag

 

Die Nacht war erstaunlicherweise sehr Ruhig, der kleine Welpe ist nur ein Mal wach geworden um sich auf dem Wohnzimmerboden zu erleichtern und ist dann gleich wieder eingeschlafen. Der gestrige Tag hat ihr wohl alle Kräfte geraubt…

Etwa zeitgleich wachten wir morgens mit der kleinen Maus auf. Nun bestimmte der Welpe unseren Tagesablauf. Eine Runde um die Blockhütte auf dem Campingplatz drehen, dann frühstücken, im Anschluss Füße, Schuhe und alles was auf dem Boden lag als Spielzeug auserkoren und wenn sie dann schläfrig wurde, musste mein alter Blacky als Kissen herhalten – gestört hat es ihn natürlich nicht, denn einer hübschen jungen Dame kann man ihre Bitten nicht abschlagen^^

Als die Kleine eingeschlummert war, machte ich mich auf den Weg ins Tierheim. Dort angekommen begrüßte mich Kazik, „wir bekommen heute 5 Boxerwelpen gebracht“.  Auf die Frage wie alt sie wären, hatte er keine Antwort, hoffte aber, dass es sich um ältere Welpen handle.  Einige Stunden später kannten wir die Antwort…

Im Tierheim gab es wieder neue Katzen und keine Quarantänemöglichkeit… ich ahnte beim Anblick der Katzen was in den nächsten Tagen folgen würde.  Die erwachsene Katze hatte sich mittlerweile ans Tierheim gewöhnt, kam sogar zum Schmusen, gefolgt von 10 Jungkatzen…
Ich bin bei jeder Fahrt aufs Neue erstaunt, wie lieb, verschmust und umgänglich diese Tiere sind. Kaum steht man im Zwinger,  kommen sie angelaufen,  schmusen das Hosenbein, schnurren um die Wetter, klettern die Hose hoch und springen sogar vom Kratzbaum auf den Rücken.  Und bei jeder Fahrt bricht es mir das Herz sie ihrem Schicksal zu überlassen. In Deutschland wären diese Tiere innerhalb weniger Tage vermittelt! Man kann sie nicht alle retten…
… ich entfliehe diesem Gedanken in dem ich weiterputze. Katzenmilch, Futter, Wasser standen bereit. Während alle Katzen Richtung Futter liefen, fiel mir ein Kätzchen auf, welches nur im Körbchen lag und mit leerem Blick in den Raum starrte. Ich nahm es auf den Arm, streichelte es kurz und setzte sie an einer Futterschüssel ab.  Sie erschien mir nicht ganz fit, doch Augen und Po sahen sauber aus. Ich beobachtete die Kleine eine Zeitlang, sie war dünn hatte aber Appetit. Auf sie würde ich jetzt ein besonderes Auge haben.

Mittags wollte ich meine recht lange Hundeliste abarbeiten, verschiedene Infos von Hunden einholen, Bilder machen, Hunde katalogisieren usw. aber es regnete. Uns blieb nichts anderes übrig, als abzuwarten. Gemütlich saßen wir halb im Flur, halb draußen und redeten über dies und das. Die Hunde waren ruhig, sie hielten „Mittagschlaf“. Es ist ein seltsames Gefühl, wenn das Tierheim so still ist. Als es dann doch irgendwann aufhörte zu regnen katalogisierten wir ca. 10 Hunde, mehr schaften wir nicht, da es wieder anfing zu regnen.  Da es nicht den Anschein machte bald aufzuhören, fuhr ich wieder zurück auf den Campingplatz um nach der kleinen Zuckerschnute zu schauen und zu Mittag zu essen. Ich erzählte meiner Mutter von den neuen Kätzchen, der kränkelnden Katze und von den Boxerwelpen. Erneut machte sich das Gefühl der Hilflosigkeit breit, doch unser kleiner Sonnenschein lenkte uns von den düsteren Gedanken ab.

Erst gegen 19 Uhr fuhr ich wieder ins Tierheim, der Regen wollte einfach nicht enden. In Gedanken verloren wollte ich eigentlich sofort nach dem kranken Kätzchen schauen, doch Kazik rief mich zu sich und hielt mir eine Katzenbox vor die Nase. „Schau mal was sie uns abgegeben haben, die Boxerwelpen.“ Schockiert schaute ich in die Box und konnte nicht glauben, was ich da sehe. 5 wenige Tage alte Welpen! Eine Hand voll Hund, Augen geschlossen. „Wie kann man die Welpen so früh von ihrer Mutter trennen und sie hier abgeben?“ Kazik erklärte, dass die 5 Welpen von der Feuerwehr im MÜLL gefunden wurden!!! Einfach entsorgt, wie Abfall, von unfähigen Menschen, die eine Kastration für unnötig halten!

Wut machte sich in mir breit. Ich öffnete die Box, nahm einen Welpen nach dem anderen heraus und schaute sie mir an, zwei Buben und 3 Mädels, alle recht fit. Sie mussten Hunger haben… ich lief in die Küche und fragte Kazik, ob sie schon gefüttert wurden, er bejahte.  Nun gut, was jetzt? Hier im Tierheim konnten sie nicht bleiben, schon gar nicht über Nacht, wo keine Menschenseele da ist. Lange musste ich nicht überlegen, wie schon gestern bei dem ca. 4 Wochen alten Welpen war klar, dass ich sie mit auf den Campingplatz nehmen muss und meine Mutter noch mehr Arbeit bekommt^^
Das Telefonklingelte und Kazik verschwand. Ich setzte die Box ab, die Kleinen hatten sich wieder zusammengerollt und schliefen. Ich ging eine Runde durchs Tierheim, schaute bei einigen Hunden nach, die kleine Mixhündin von gestern, die so ängstlich war, saß wieder in ihrem alten Quarantänezwinger, zusammen mit einem kleinem Haufen von Panik zusammen.

Der letzte Gang führte an den Katzen vorbei, ich füllte etwas Futter nach, wischte an einigen Stellen den Boden und schaute mir die Kätzchen nochmals an. Das kranke Kätzchen lag wieder im Korb, angekuschelt an eine zweite Katze. Ich nahm den Knirps nochmal auf den Arm, die Reaktionen kamen etwas spät, aber sie waren da. Da ich die Kleine nicht unnötig wachhalten wollte, legte ich sie wieder zurück ins Körbchen, schloss das Gitter und ging hinaus.

Im Flur kam mir wieder Kazik entgegen. Ich schnappte mir die Box und Kazik schaute mich verwundert an. „Was willst du machen?“  Na was denn, ich nehm die Kleinen mit, ist doch klar^^
Kazik staunte, meinte noch dass wir uns viel Arbeit mit den Kleinen ins Haus holen und ging eine Spritze und Welpenmilch holen. Ich bedankte mich bei ihm und fuhr mit der Rasselbande Heim.

Auch meine Mutter konnte nicht glauben, was sie da sah. Wir deckten den Korb auf, gaben ihnen ein wärmeres Deckchen hinein und kochten Welpenmilch auf. Ab heute hatten wir alle 3 Stunden was zu tun, die Nächte sollten nicht mehr so ruhig bleiben…

 

Dienstag 22.07.2008 / 5. Tag

 

Die Nacht war kurz und anstrengend.  Alle 3 Stunden standen wir auf, erwärmten Welpenmilch und fütterten die kleinen Welpen. Es war nicht leicht, denn die Welpen wollten nicht an der Spritze saugen. So mussten wir ihnen mit unseren Fingern vorsichtig die Mäulchen öffnen und ihnen die Milch ins Maul spritzen. Aber auch dies haben sie sich nicht gefallen lassen, viel Milch ging daneben, sie spuckten sie immer wieder aus. Da wir nicht genau wussten, wie viel die Welpen fressen müssen, gaben wir anfänglich zwei Spritzen Milch. Nachdem die Kleinen gefüttert waren, wurden sie mit weichem Papier zwischen den Beinen und am Bauch massiert. Dies bewirkt bei ganz kleinen Welpen, dass sie ihr „kleines und großes Geschäft“ verrichten, selbständig können sie das noch nicht. Da die Nacht so viele Unterbrechungen hatte, erlaubten wir uns länger im Bett zu bleiben.

Vormittags ging es wieder ans Füttern, um so öfter wir sie fütterten, umso mehr ähnelte es einem richtigen Kampf. Irgendwas mussten wir ändern, die Spritzen waren einfach ungeeignet, viel Milch ging daneben. Wir packten alle Welpen, groß und klein ein und fuhren erst mal zum Tierheim. Dort fragten wir nach Babyflaschen und Nuckel, konnten uns die Antwort aber schon denken. Leider nichts da. Da wir nur auf dem Sprung waren, ging ich noch schnell einen Blick in den Katzenzwinger werfen. Auf den ersten Blick fand ich die kranke Katze nicht, auch als im Zwinger stand konnte ich sie nirgends finden. Ich verließ den Zwinger und fragte Domenika wo die kleine Katze sei. Traurig sagte sie, dass sie morgens Tod im Zwinger lang. Traurig dachte ich ans letzte Jahr, wo jeden Tag eine Katze verstarb. Sollte es wieder beginnen?

Wir verließen das Tierheim und fuhren zum Tierarzt um alle Welpen checken zu lassen. Auch der Tierarzt konnte es nicht verstehen, wie man so kleine Wesen einfach wegwerfen konnte. Glücklicherweise waren sie in einem guten Zustand. Auch die kleine Hündin war gesund, wurde vor Ort entwurmt und entfloht. Weiter ging es dann mit der schlafenden Bande und einem quirligen Welpen zu zwei Fachmärkten, dort suchten wir nach Babyflaschen und Nuckel.  Im ersten Laden fanden wir zwar passende Nuckel aber keine Babyflaschen?! Also mussten wir noch einen weiteren Fachmarkt ansteuern um fündig zu werden.  Auf dem Rückweg wurden die Kleinen wieder munter und quengelten. Höchste Zeit fürs Fläschchen.

Der erste Versuch war bereits ein voller Erfolg, nach anfänglichem Kampf merkten die Kleinen, dass sie saugen konnten und verputzten jeder ein viertel Milch aus der Flasche!  Im Vergleich zu den Spritzen war das mind. das 10-fache! Wären wir nicht auf die Nuckel umgestiegen, so wären uns die Kleinen vermutlich verhungert… Es war das erste Mal für uns, Welpen mit der Flasche aufziehen zu müssen und eine tolle Erfahrung.  

Am späten Nachmittag hatte ich einen Kastrationstermin beim Tierarzt. Das Tierheim Gernsheim in Deutschland hatte sich bereiterklärt 2 Hunde aufzunehmen und zu vermitteln. Also fuhr ich ins Tierheim und lief nun alle Zwinger ab… welche Hunde sollten es sein? Leider mussten es leicht zu vermittelnde Hunde sein, da das Tierheim Gernsheim erst vor wenigen Wochen einen unserer „schwer vermittelbaren“  Hunde vermitteln konnte. Alf der kleine Dackelopa saß fast ein Jahr im Tierheim und wartete auf sein Glück. Nicht dass sie jetzt schlechtes vom Tierheim Gernsheim denken! Nein ganz und gar nicht, zum späten Herbst, wenn Platz im Tierheim ist, dürfen wieder einige alte und große Hunde umziehen.

Doch dieses Mal sollten es nun mal liebe Familienhunde sein. Die Wahl viel mir schwer, waren sie doch alle liebe Familienhunde…  Nun gut, lange konnte ich es mir nicht mehr überlegen, der Termin rückte näher.  Meine Wahl fiel auf eine schwarz-weiße, in die Länge gezogene Wuschelhündin und eine lebhafte schwarze Hündin. Auch diese Hunde waren arm dran, das Fell der schwarz-weißen Hündin war von Mitte Rücken bis zum Schwanz total verfilzt, auch an den Ohren hingen richtige Lappen runter und die schwarze Hündin war nun mal schwarz.

Tina und Lilly, so nannte das Tierheim Gernsheim die beiden, wurden in die Boxen eingeladen und dann ging es zum Tierarzt. Dort angekommen luden wir die Boxen aus und stellten sie beim Tierarzt unter. Als erste kam Lilly die schwarze, danach Tina, die schwarz-weiße Hündin. Ich durfte während der gesamten Kastration assistieren, was ebenfalls neu und sehr aufregend für mich war. Ich hatte mir Kastrationen immer irgendwie anders vorgestellt, beschreiben kann ich es nicht, aber wie gesagt, es war ein tolles Erlebnis. Draußen wurde es langsam dunkel als wir mit der zweiten Hündin anfingen.
Nach einigen Stunden Op haben wir es geschafft, Lilly wachte bereits auf, Tina schlief noch tief und fest.

Ein Blick auf die Uhr, 21.35 Uhr. So spät schon und das Tierheim machte gleich zu. Der Tierarzt half mir die Hunde ins Auto zu laden und ich machte mich auf dem direkten Weg ins Tierheim. Die letzten Stunden kosteten mich einiges an Kraft und so merkte ich auf dem Rückweg, dass ich langsam schlapp machte. Ich sehnte mich nach dem Bett. Beim Tierheim angekommen, wolle ich das Tor öffnen doch es war geschlossen, auch das Licht war aus. Na klasse, hatten sie mich tatsächlich vergessen und mit den zwei Hunden stehen lassen?
Pawel der Pfleger am heutigen Tag, wohnte glücklicherweise fast um die Ecke. Also fuhr ich hin und weckte mit schlechtem Gewissen gegen 23.00 Uhr jemanden im Haus. Es war die Mutter, sie erklärte mir, dass Pawel gleich wieder zurück sein müsste und mir das Tor zum Tierheim öffnen würde.
Es vergingen noch ca. 20 Minuten bis er kam, das Tierheim öffnete und mir beim Verladen der Hunde half. Sie bekamen Kragen angezogen, neue Decken und frisches Wasser wurde in die Zwinger gestellt, jetzt waren beide halbwegs wach.


Höchste Zeit das Tierheim zu verlassen, wollte ich doch niemanden Überstunden schieben lassen.
Auf dem Campingplatz angekommen, es war mittlerweile halb eins, half ich noch beim Füttern der Welpen und fiel todmüde ins Bett           (im linken Arm meinen Alten und rechts den jungen Hüpfer^^).

 

Mittwoch 23.07.2008 / 6. Tag

 

Wie die Nacht verlief, kann sich jeder denken und dementsprechend war ich doch recht kaputt als der Wecker klingelte. Nach einem guten Frühstück, wurde unsere Welpenbande gefüttert. Nach der Fütterung blickte mich meine Mutter besorgt an und sagte, dass wir nur noch 2 Tage in Polen bleiben würden. Ihre Sorge teilte ich bereits vom ersten Tag an, seit die Welpen bei uns eingezogen sind. Mit nach Deutschland konnten wir sie nicht nehmen, da sprachen einige Gründe dagegen (leider).  Aber wohin mit den Mäusen? Sie ins Tierheim zurück zu bringen war keinesfalls eine gute Idee, dort wartete nur der Tod auf die Kleinen. Da ich selber keine Lösung kannte, beschloss ich Herrn Kula um Hilfe zu bitten.

Im Tierheim angekommen, begann ich mit dem Säubern der Katzenzwinger. Irgendwie kam es mir vor, als wären mehr Katzen da als zuvor. Bei einigen Katzen tränten die Augen, hier und da hörte man ein Niesen. Das, wovor ich so viel Angst hatte, begann von Neuem. Langsam erkrankten die Katzen und bekamen Durchfall. Der Zwinger war brechend voll…

Als ich das Futter für die Katzen vorbereitete, kam ein Mann mit einer schwarzen Katze und 3 Jungen ins Tierheim um sie abzugeben. Ein Pfleger nahm sie ins Buch auf und wollte sie anschließend aus Quarantäne- und Platzmangel in den überfüllten Katzenzwinger geben. Ich stellte mich vor die Zwingertür und sagte, er könne nicht noch mehr Katzen in den Zwinger packen, sie wären sowieso schon alle erkrankt und die neuen sehen auch nicht gesund aus. Kurzerhand wurde ein zweiter Zwinger, der als Abstellraum genutzt wurde, leer geräumt. In dem Zwinger stapelten sich Baumaterialien und andere Sachen bis unter die Decke. Da es keinen anderen Platz für die Sachen gab, wurden sie in den Gang der Katzenzwinger gestellt. Ab da musste man immer „klettern“ um an die Zwinger zu gelangen…
Der Zwinger wurde gereinigt, Futter, Wasser, Schlaf- und Versteckmöglichkeiten sowie ein Katzenklo wurden aufgestellt. Dann wurde die Familie hineingelassen. 2 Stunden später kamen erneut 2 Personen ins Tierheim, die 7 Katzen! abzugeben hatten. Der Mann erzählte, dass er die Katzen auf seinem Grundstück eingefangen hatte und sie stören würden…  Als er die Katzen aufs Tierheimgelende brachte, verschlug es mir die Sprache. Zu Zweit trugen sie die Katzen in 3 Säcken zu den Zwingern. Was soll man dazu sagen? Die Katzen wurden in den zweiten Zwinger gesteckt, nun waren es schon 11 Katzen in dem Zwinger.

Der Tag verstrich langsam, bei all den Katzen hatte ich fast vergessen, dass ich noch einen Platz für die Welpen brauchte. Ich erklärte Herrn Kula meine Sorgen und er sah mich ratlos an. Es gäbe niemanden, der die Welpen aufnehmen würde, eine Einschläferung wäre das Beste. Schockiert war ich über diese Antwort nicht, im Tierheim ist es seit Jahren üblich neugeborene Welpen einzuschläfern. Es fehlt der Platz, eine Person die sich um die Welpen kümmert, Familien die sie später einmal adoptieren… Ich erklärte, dass ich die Welpen nicht aufgenommen habe um sie einige Tage später einschläfern zu lassen. Er sollte doch bitte nach jemanden suchen, der die Welpen aufnehmen könnte, anfallende Kosten würde ich alle übernehmen, auch die spätere Vermittlung, wenn die Hunde ausreisefähig sind.  Also machte sich Herr Kula auf die Suche nach einer Pflegestelle. Alle Personen die er anrief sagten ab, doch sie würden sich ebenfalls umhören. Mir blieb nichts anderes übrig als abzuwarten und zu hoffen.

Um die Sorgen zu vertreiben kümmerte ich mich um Tina und Lilly, sie waren fit wie ein Turnschuh. Lilly schaffte es leider immer wieder ihren Kragen auszuziehen, so dass sie sich die Kastrationswunde viel zu oft leckte.

Gegen Nachmittag kam ein Mann ins Tierheim, der erneut eine Katze mit 2 Jungen abzugeben hatte. Irgendwie war heute der große „Katzen ins Tierheim abschieben Tag“. Die weiß-braun getigerte Katze und ihre Jung waren in einem schlechten Zustand. Alle waren sehr dünn, dreckig, die Augen waren verklebt und sie niesten. Auch bei diesen Katzen weigerte ich mich, sie in einen der Zwinger zu stecken. Auf die Frage, wohin die Katzen denn sonst hinsollten, holte ich wortlos eine alte (die einzige) Hundegitterbox und stellte sie dem Pfleger vor die Füße. Nun, es war keine tolle Lösung für die Katzen mitten im Flur vom Tierheim zu stehen, aber eine andere gab es nicht.

Die Tür des Leiterbüros öffnete sich und Herr Kula rief mich zu sich. Gute Neuigkeiten, für unseren Sonnenschein und für die 5er Bande haben sich Pflegestellen gefunden. Die 5 Welpen würden auf 2 jüngere Damen aufgeteilt werden, da sie sich das Aufziehen von 5 neugeborenen Welpen nicht zutrauen.
Ein Stein fiel mir vom Herzen, wieder ein Stück weitergekommen. Doch gleichzeitig machte sich Herzschmerz breit, gab ich die Kleinen doch an mir unbekannte Personen ab und in eine ungewisse Zukunft.

Gegen Abend war nur noch Domenika, Mariola eine ehrenamtliche Helferin und ich im Tierheim. Da es uns die Zeit erlaubte, gingen wir mit einigen Hunden aus der Quarantäne spazieren. Fast alle Hunde in der Quarantänestation werden wegen Bissverletzungen oder aufgrund OPs  versorgt, so dass Spaziergänge möglich waren.
Nach den Spaziergängen ging Domenika eine letzte Runde durchs Tierheim, Mariola und ich packten unsere Sachen und wollten uns gerade auf den Weg machen, als Domenika schreiend auf uns zugelaufen kam: „Schnell, eine Leine! Sie beißen sich Tod!“. Mariola lief sofort los und holte eine Leine, ich rannte zu Domenika die bereits den Wassertrug in den Händen hielt und ihn auf die Hunde schüttete. Gott sei dank ließen die Hündinnen von einander ab. Überall war Blut, eine kleine zerzauste Hündin (sie fiel mir schon am ersten Tag ins Auge, allerdings war sie absolut bissig gegenüber Menschen) saß in einer Ecke, blutüberströmt, in einer anderen Ecke saß die Gewinnerin, ohne Wunden. Die anderen Hunde hatten sich glücklicherweise in den Hundehütten verkrochen, genau so gut hätten sie auch auf die schwächere Hündin gehen können (Gruppenverhalten) und sie noch schlimmer verletzen können. Domenika warf der „Gewinnerin“ eine Leine um den Hals und zog sie aus dem Zwinger. In der Zwischenzeit versuchten Mariola und ich an die blutende Hündin zu gelangen, was aber unmöglich war, da sie wild um sich biss und immer wieder weglief. Mariola holte eine Decke um die Hündin einzufangen, während ich die anderen Hunde von der Verletzten fernhielt. Ich weis nicht wie viel Zeit verging, bis wir die Hündin eingefangen hatten und das nur, weil der Hündin die Kräfte aufgrund des Blutverlustes ausgingen. Wir rannten mit ihr ins Tierheim, legten sie auf dem OP-Tisch und versuchten die Wunde einzuschätzen. Im Hals der Hündin klaffte ein riesiges Loch, das Blut lief weiterhin aus ihrem Hals.

Mariola versuchte verzweifelt den Tierarzt zu erreichen aber er war weder Zuhause noch in seiner Praxis, auch übers Handy war er nicht erreichbar. Die Hündin verlor immer mehr Kräfte, sie ließ sich mittlerweile problemlos anfassen. Plötzlich klingelte das Telefon, der Tierarzt! Er ist auf dem Weg. Eine halbe Ewigkeit verging, bis der Tierarzt im Tierheim eintraf. Die Atmung der Hündin hatte sich beruhigt, die Blutung hatte aufgehört. Er schaute sich die Kleine genau an, legte eine Infusion und begann die zerfranste Haut am Hals abzuschneiden. Sie war so erschöpft, dass sie es ohne Betäubung und zickereien zuließ. Gerade als das letzte Stück abgeschnitten wurde, begann die Wunde  erneut an stark zu bluten. Der Tierarzt packte die Hündin am Hals und drückte mit aller Kraft zu um die Blutung zu stoppen. Es vergingen einige Minuten, bis er sich traute die Hündin loszulassen. Er versuchte einen zweiten Anlauf aber auch dieser scheiterte.

 

Es war unmöglich sie in diesem Zustand zu operieren, der Blutverlust war enorm, ihre Kräfte gleich null. Sie bekam einen Verband um den Hals, der die Blutung stoppte. Sie musste die Nacht überstehen, die Wunde musste sich schließen bzw. trocknen, damit sie operiert werden konnte.

Es fiel mir schwer die Hündin über Nacht alleine im Tierheim zu lassen aber es blieb uns nichts anderes übrig. Also hofften wir alle, dass sie am nächsten Morgen noch leben würde.
Wir machten ihr einen Zwinger fertig, ein dick gepolstertes Körbchen, viele Decken, Wasser und Nassfutter sowie eine Wärmelampe kamen hinein. Ich machte mit dem Tierarzt einen Termin für die OP am nächsten Tag aus und so verließen wir das Tierheim mitten in der Nacht…

 

Donnerstag 24.07.2008 / 7. Tag

 

Guten Morgen liebe Sorgen...

Total erschlagen von den letzten Tagen vergaß ich nachts den Wecker zu stellen und schlief dementsprechend etwas länger. Trotzdem schafte ich es vormittags im Tierheim zu sein und machte mich darauf gefasst, dass schlimmste zu hören…  Als ich an Domenika traf, schaute ich sie nur besorgt an, aber Domenika lachte. „Sie lebt. Sie hat sogar was gefressen und getrunken“. Ein Stein fiel mir vom Herzen! Die kleine Maus lag in ihrem Körbchen und schaute verschlafen und kraftlos übers Körbchen. Ich streichelte sie kurz, bot ihr Wasser an und verließ dann den Zwinger. Sie musste Kräfte sammeln, denn in wenigen Stunden würde sie operiert werden.

Um die Zeit bis zur OP tot zu schlagen, half ich beim reinigen der Zwinger. Dabei erfuhr ich, dass nachts zwei Kätzchen verstorben sind. Der Tod ist hier ständiger Begleiter und lauert nur auf seine Chance…  wann würde sich das ändern?

Früh morgens wurden 3 kleine Welpen im Tierheim abgegeben. Noch wacklig auf den Beinen, richtige Knutschkugel. Sie waren aber schon so weit, dass sie Welpenfutter selbständig fressen konnten. Im Laufe des Tages wurden 3 weitere Katzenjungen abgegeben. Der „Finder“ bedauerte es sehr, sie abgeben zu müssen. Er selbst hatte 5 alte Hunde und einige Katzen auf seinem Hof. Gerne hätte er sie behalten, doch finanziell war das nicht machbar. Er unterhielt sich eine lange Zeit mit uns, erzählte, dass all seine Tiere kastriert sind und er ständig arme Hunde und Katzen finden würde und sie dann nur ins Tierheim geben könne. Er hinterließ im Tierheim eine Spende und fuhr dann fort. Endlich wieder ein Mensch, dem die Tiere nicht egal sind…
Die Kätzchen wurden auf meine Bitte im Besucher-WC untergebracht, da sie gesund und wunderschön waren. Ich wollte das Risiko nicht eingehen, dass auch sie erkrankten. Die Kleinen waren innerhalb 3 Tagen vermittelt, so wie ich es mir bei Rassemixkatzen gedacht hatte.

Mittleiweile war es Nachmittag geworden und Mariola stand wartend vor der Tierheimeinfahrt. Wir luden die kleine „Glückszicke“ ins Auto und machten uns auf den Weg zum Tierarzt. Man sah ihr an, dass sie schon einiges an Kräften sammeln konnte. Der Tierarzt kam nur schwer an sie ran, während sie zu uns Frauen ganz lieb war. Nachdem die Betäubung ihre Wirkung zeigte, begann Herr Pawelek mit der OP. Glücklicher Weise verlief sie Problemlos. Die Wunde sah am heutigen Tag auch nicht mehr so groß und gefährlich aus, die befürchteten Blutungen sind größtenteils ausgeblieben. Nach 2-3 Stunden waren wir bereits auf dem Rückweg ins Tierheim.

Für den heutigen Tag war es genügend Arbeit im Tierheim, daheim wartete noch eine hungrige Meute auf mich…

Freitag 25.07.2008 / 8. Tag

Der vorletzte Tag...

Heute nahm ich mir ein wenig mehr Zeit für meine Mutter, die Rasselbande, unseren Sonnenschein und meinen alten Senior. Wir erledigten einige Sachen in der Stadt, fingen schon mal an unser Gepäck einzupacken und verabschiedeten uns von unseren Wollknäueln. Morgen, am letzten Tag blieb nicht viel Zeit für Abschied...

Nachmittags fuhr ich dann wieder ins Tierheim, der Tierarzt war bereits da und schaute sich die schwer verletzte Hündin an. Ihr Zustand war stabil, sie nahm ihr Futter und Wasser auf, stand hier und da auch auf und drehte ein paar kleine Runden durch den Zwinger. Die Verbände waren gewechselt, der Zwinger sauber und das Körbchen aufgrund der Wärmelampe warm.

Herr Pawelek schaute sich noch die Kastrationsnaht von Lilly und Tina an, wobei er bei Lilly nicht zufrieden war und eine Entzündung feststellte. Lilly schaffte es blöder Weise jeden Kragen auszuziehen. Somit mussten wir noch ein zweites Mal in die Praxis fahren und sie erneut „zunähen“. Für den heutigen Tag würde Lilly zu geschafft sein um sich den Kragen auszuziehen und morgen würde sie in der Box sitzen und nicht genügend Platz dafür haben (so dachte ich).

 

Samstag 26.07.2008 / 9. Tag

 

Der letzte Tag…
Früh morgens machte ich mich mit „Sack und Pack“ auf den Weg ins Tierheim. In einer Transportbox wuselten die Welpen rum, in einer anderen Box unser kleiner Sonnenschein. Irgendwie wollte sich keine Freude bei mir einstellen, obwohl wir für die Kleinen Pflegestellen gefunden haben. Zugern hätte ich sie alle mit nach Deutschland genommen.
Im Tierheim angekommen, stellte ich die Boxen mit den Welpen ins Behandlungszimmer des Tierheimes. Die 5er Bande schlief mal wieder und bekam davon nichts mit, Sonnenschein durfte stattdessen frei im Zimmer herumlaufen und spielen.  
Im Tierheim wurde bereits schwer gearbeitet, heute musste der Rasen gemäht werden.

 

Ein letztes Mal reinigte ich die Katzenzwinger, füllte Wasser, Futter und Milch auf. Kuschelte noch mal jede Katzer durch und hoffte tief in mir, dass nicht noch mehr von ihnen sterben würden…
Im Raum nebenan beschwerten sich die 3 Knutschkugeln lautstark über zu wenige Streicheleinheiten.  Auch bei ihnen reinigte ich den Zwinger, die Kleinen spielen mehr mit ihrer Welpenmilch als sie zu fressen. Dementsprechend waren die Kleinen auch eingesaut, verklebt und nass. Kurzerhand wurden die 3 im Waschbecken gewaschen und trockengerubbelt. Als Entschädigung für das schlimme Bad bekamen sie eine neue Portion Futter und Wasser.

 

Nachkontrolle bei unserer schwer verletzten Hündin. Sie gewinnt jeden Tag neue Kräfte dazu, die Wunde heilt und unsere Zicke lässt nicht mehr jeden an sich ran^^. Nur noch die Frauen im Tierheim dürfen sie anfassen.

Mariola mit unserer verletzten Zicke

Um sich eine Pause zu gönnen, gingen Mariola und ich mit zwei Hunden spazieren. Für Hund und Mensch, mitunter die schönsten Augenblicke…

 

Dann kam der Abschied. Agnieszka, eine Bekannte von ihr und eine weitere Dame kamen ins Tierheim um die Welpen abzuholen. Agnieszka und ihre Bekannte teilten sich die 5er Bande auf, da sich keine von beiden traute, 5 Flaschenkinder aufzuziehen. Sonnenschein schleckte der 3. Dame die Finger ab und war wie immer Glücklich über die Streicheleinheiten. Eigentlich hätten mir die Tränen beim Abschied kommen müssen, aber ich war so darin bedacht alles Wichtige zu erklären und zu beschreiben, so dass ich keine Zeit dafür fand. Der Abschied ging viel zu schnell, der Tierarzt kam ins Tierheim, die Mädels mussten fahren, alles musste flott gehen. Und dann waren sie weg… aber die Sorgen blieben.
Der Tierarzt schaute sich wieder unsere verletzte Hündin an, ebenso Lilly und Tina, dann machte er sich an die Arbeit die neuen Hunde aufzunehmen, zu untersuchen, zu impfen und chipen. Als er fertig war, verabschiedete er sich von mir und wünschte noch eine gute Fahrt.
Kurz darauf erzählte mir Mariola, dass sie eine Pflegestelle in Deutschland für unsere verletzte Hündin gefunden hatte. Der Gnadenhof, der sie aufnehmen würde, war mir bekannt und ich freute mich, dass sie einen Platz gefunden hatte.
Auf meiner Liste standen noch einige Hunde zum katalogisieren, also nutzte ich die Zeit, es war mittlerweile später Mittag, mir blieb nicht mehr viel Zeit. 2 Hunde konnte ich einfach nicht finden, mit oder ohne Hilfe der Pfleger, die Hunde waren verschwunden. Da ich die Hoffnung nicht aufgeben wollte (es handelte sich um Hunde, die schon über 3 im Tierheim waren) suchte ich erneut alle Zwinger ab. Dabei öffnete ich sogar die schwer zugänglichen Hundehütten hinter den Zwingern. Oft versteckten sich ängstliche Hunde in den Hütten und man bekommt sie einfach nicht zu Gesicht.

Als ich bei der 7. Hundehütte ankam und das Dach anhob, blieb mir die Luft weg. Ich drückte das Dach höher um besser sehen zu können und konnte es kaum glauben. In der Hundehütte lag eine kleine hellbraune Hündin mit mittellangen Fell und um sie herum quengelten  4 absolut frisch geborene Welpen!  Eine solche Situation kann für die Welpen und die Mutterhündin tödlich enden! Die Hündin teilt sich den Zwinger mit bis zu 6 weiteren Hunden, wenn diese aggressives Verhalten gegenüber den Welpen zeigen würden oder den Versuch starten in die Hundehütte zu gelangen, käme es zu schlimmen Beissereien, bei denen die Welpen sterben könnten.

Mit einer Hand hielt ich das schwere Dach nach oben, mit der anderen versuchte ich die neugierigen Hunde von der Hundehütte fern zu halten und rief gleichzeitig nach einem Pfleger. Glücklicherweise waren weder die Mutterhündin noch die anderen Hunde aggressiv.  Als der Pfleger mit einem Karton kam, schnappte er sich die 4 Würmer und legte sie hinein, dann zog er die aufgeregte Mutterhündin aus dem Zwinger. Nun standen wir da, wieder eine kleine Familie und kein Platz im Tierheim…
Irgendwo haben wir dann doch noch eine kleine Box gefunden, legten eine Decke rein, dann die Welpen. Die Mama ging von allein in die Box um nach den Welpen zu schauen. Wir holten noch Wasser und Futter, welches die Hündin gierig annahm und sich den Bauch vollschlug. Für die Welpen war es pures Glück, dass ich sie fand und der Tierarzt bereits weg war, denn er hätte sie vermutlich gleich eingeschläfert…

Ein kurzer Blick auf die Uhr – mir rannte die Zeit davon. Was nun?  Das Leben der Welpen hing davon ab, ob ich eine Pflegestelle für sie finden würde. Viele Möglichkeiten hatte ich nicht, also rief ich kurzerhand den Gnadenhof an, der die verletzte Hündin aufnahm. Ich bedankte mich bei dem zukünftigen Pflegefrauchen für die Aufnahme der Hündin und fragte, ob sie noch Platz für eine gleichgroße Oma mit 4 Welpen hätte. Ohne lange zu überlegen willigte sie ein! Das Leben der Kleinen war gerettet und die Zukunft sah für die frisch gebackene Familie gut aus.

Nun war es aber wirklich an der Zeit, dass Tierheim zu verlassen. Die Pfleger halfen mir Lilly, Tina und Vito-Angelo (einen Schäferhundmix) ins Auto einzuladen, dann verabschiedete ich mich von allen Pflegern und machte mich auf den Weg zum Campingplatz.
Dort angekommen luden meine Mutter und ich unser restliches Gepäck ein und machten uns auf den Weg nach Deutschland…

Auf Wiedersehen altes Leben, Hallo neue Zukunft…

Anmerkung:

Unserer schwer verletzen Hündin geht es heute (07.12.2008) sehr gut. Ihre Wunde ist verheilt, sie ist stark und gesund. Sie bekommt ihr Gnadenbrot auf dem Hof, da sie auch dort weiterhin gegenüber allen Menschen zickig reagiert. Nur das Pflegefrauchen wird akzeptiert.
Unsere Oma die noch im hohen Alter Welpen bekommen hat, lebt ebenfalls auf dem Hof. Auch sie bekommt dort ihr Gnadenbrot, wenn sie kein Zuhause finden sollte. Ein Welpe ist leider ein Tag nach meiner Abreise verstorben, ein weiterer Welpe ist in Deutschland an einer plötzlichen und schweren Lungenentzündung verstorben.  Die 2 restlichen Geschwister haben ein sehr schönes Zuhause gefunden.