Jung & Alt, jeder verdient eine Chance! Tierheim DG Juli 2010

Und wieder ist die Zeit für Urlaub gekommen, und wie die letzten 2 Jahre, fuhr ich auch dieses Jahr wieder ins Tierheim Dluzyna Gorna. Dieser Urlaub sollte jedoch nur zu 2/3 dem Tierheim DG zu Gute kommen, denn auch unser kleines Haus nahe dem Tierheim möchte nun endlich ein Schritt weiterkommen. Zusammen mit der ganzen Familie machten wir uns an unterschiedlichen Tagen mit 2 Autos auf den Weg. Gegen Mittag kamen wir in Polen an. Ich ließ es locker angehen, war am ersten Tag nicht im Tierheim und machte michstatt dessen an die Arbeit in unserem kleinen Häuschen.

Als ich am nächsten Tag ins Tierheim kam, musste ich schmunzeln, denn so etwas, sah ich bisher nur in deutschen Tierheimen...

Hier war wohl Mariola am Werk^^
Wie immer begrüßte ich alle Pfleger und den Tierheimleiter. Wir unterhielten uns eine Zeitlang, brachten uns auf den neusten Stand der Dinge. Im Anschluss folgte wie immer ein Rundgang durchs Tierheim. Wer ist noch da und wer ist neu?
Meine alten Bekannten saßen natürlich noch da, wo sie sonst auch waren. 3, 4, nein sogar schon 5 Jahre waren einige von ihnen hier. Und vermutlich werden viele von ihnen auch hier sterben. Wir finden leider keine Pflegestellen für 12 jährige große Hunde. Mir könnten die Tränen kommen…

Im Laufe der nächsten Tage katalogisierten wir viele Hunde, einer von ihnen kam erst einige Tagen zuvor ins Tierheim.
Auf dem Bild leider kaum zu erkennen, trug er einen riesen großen Tumor am Bauch. Er wurde von Peter operiert. Eine sehr schwere OP, da viel Haut entfernt werden musste. Um die Wunde zu schließen fehlte jedoch Haut, also musste Peter die Haut um den Bauch herum stellenweise aufschneiden um sie dehnbar zu machen.

Wer diesen Hund nach der OP gesehen hätte, hätte nie gedacht, dass er irgendwann mal völlig normal aussehen würde. Die riesen große OP-Wunde, die vielen Schnitte und offenen Wunden, später ohne Verband, mitten im Sommer und den vielen Fliegen.
Und doch hat alles geklappt. Heute sieht man kaum noch was von den vielen Narben, es geht ihm gut.
Leider wartet er heute noch auf ein Zuhause…

Diesen Sommer kamen besonders viele Tiere ins Tierheim, die operiert werden mussten, sagte Herr Kula. Weshalb kann sich keiner erklären. Nicht nur Hunde, auch viele Katzen. Im Tierheim waren zum Beispiel zwei Katzen die eine OP benötigten.
Eine schwarze dessen Auge entfernt werden musste und ein getigerter alter Kater mit Kiefernbruch.

Schon schlimm genug, dass immer wieder verletzte oder kranke Tiere ins Tierheim kommen, so wurde eines Tages diese arme Kreatur im Tierheim abgegeben. Angeblich wurde sie am Straßenrand gefunden. Haut und Knochen, mehr war an ihr nicht dran. Die Zähne völlig verfault, die Schnauze war voller Eiter. Fliegen hatten bereits ihre Eier in die Wunden um die Schnauze herum gelegt...
Wer in Gottes Namen kann ein Tier so vernachlässigen und dann aussetzen?

Wir versuchten ihr die Eier auszuwaschen, aber bei dem vielen Eiter und Fell war das nicht möglich. Zum Tierarzt konnten wir auch nicht mehr, da es zu spät war. Die Praxis war bereits geschlossen. Also gaben wir ihr etwas Futter, brachten sie in einen Zwinger und deckten sie mit vielen Decken zu. Am nächsten Morgen stand meine Mutter und ich in aller Früh auf und machten uns auf den Weg ins Tierheim. Sie hatte das Futter kein zweites Mal angerührt, meine Mutter nahm sie auf den Arm und sah, dass Maden aus den Eiern geschlüpft waren und in ihren Wunden saßen! Sofort machten wir uns auf den Weg zum Tierarzt. Auch Peter konnte es kaum glauben, dieses arme Geschöpf… er legte die Kleine in Narkose obwohl die Gefahr groß war, dass sie nicht mehr erwachen würde. Ihre Schnauze wurde rasiert, die Maden vorsichtig herausgeholt, die Wunden wurden gesäubert, fast alle Zähne wurden gezogen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Kleine hat den Eingriff gut überstanden. Meine Mutter konnte sich jedoch nicht mehr von ihr trennen und da sie noch 4 weitere Wochen in Polen blieb, entschied sie die Kleine mit nach Deutschland zu nehmen. Sie wurde für die Ausreise fertig gemacht und heißt nun Kaszka. Sie ist nun Hund Nr. 4 in unserem Rudel. Kaszka ist eine Kämpferin, sie ist noch lange nicht über dem Berg, wird weiterhin von uns aufgepäppelt. Regelmäßige Tierarztbesuche stehen nun auf dem Plan, sie nimmt nur Flüssignahrung zu sich, nimmt leider kaum zu. Röntgenbilder zeigen, dass sich ihr Kiefer zur Hälfte zurückgebildet hat, weshalb das so ist, wissen wir noch nicht. Als nächstes machen wir ein großes Blutbild um weitere Infos zu erhalten. Ihr Alter ist schwer zu schätzen, wir gehen davon aus, dass sie mindestens 16 Jahre alt ist.
Kaszka ist für ihren "Zustand" recht fit, kann sich gut bewegen, meldet sich lautstark wenn sie Hunger hat und ist ein fröhliches Mädchen. Wir haben sie in unser Herz geschlossen, können nicht verstehen, wie man ein solches liebevolle Wesen aussetzen kann, dem Hungertod überlassen, von einem wilden Tier getötet zu werden oder von einem Auto überfahren zu werden und hoffen, dass sie noch lange bei uns bleibt...

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Bericht vom Mai 2007 berichtete ich von einem kleinem leer stehendem Häuschen neben dem Tierheim. Zeit zum Träumen schrieb ich damals.

Der Traum verfolgte mich bis jetzt. Wie schön wäre es, aus diesem Haus eine Quarantänestation für kranke und alte Hunde / Katzen zu machen... nun stand das Grundstück mit Gebäude zum Verkauf. Knapp 8.000 Euro sollte es kosten. Mariola war bereits am überlegen, wie man es finanzieren könnte. Leider stellte sich heraus, dass das Gebäude eine reine Ruine war und nur noch abgerissen werden konnte. 8.000 Euro + Abriss, Entsorgung und Neubau sind einfach zu viel.
Wenn ich mir die Bilder heute so ansehe, schmerzt mein Herz. Wie schön wäre es gewesen... es bleibt ein Traum.

Bei einem privaten Tierarztbesuch mit meinen Hunden kam ich zum nächsten Findelkind. Während ich im Wartezimmer saß, kam das Ordnungsamt mit einer kleinen Transportbox und stellte diese beim Tierarzt ab. Als die Untersuchung meiner Hunde fertig war, drückte mir der Tierarzt die Box in die Hand und sagte „Du fährst doch zum Tierheim, gib das hier ab“. In der Box lag ein ca. 4 Wochen alter Welpe. Der Kleine wurde vom Ordnungsamt gefunden. Kurzer Hand beschloss ich, den kleinen Wurm mit nach Hause zu nehmen, das Tierheim war kein guter Ort für den Wurm…

Da sich unser Urlaub bereits in der Endphase befand und wir den kleinen Wurm ohne Impfungen nicht mit nach Deutschland nehmen konnten, mussten wir nach einer Pflegestelle suchen. Dank der Hilfe vom Tierheimleiter, fand sich diese bei einer ehrenamtlichen Helferin des Tierheims. Einige Wochen später fand ich eine E-Mail im Postfach, mit der Info, das der kleine Mann sich zu einem Dackelmix entwickelt hat und ein schönes Zuhause gefunden hat. Ende gut, alles Gut^^

 

Am letzten Tag bekamen wir noch Besuch von Aletta und Nadine. Nadine hatte sich in Duza verliebt, der seit vielen Jahren im Tierheim auf ein Zuhause gewartet hat. Nun war es soweit, seine ersten Schritte in „Freiheit“ durfte er auf unserem Grundstück genießen. Und siehe da, Duza ist ein wohl erzogener Hund! Nicht ein Mal hat er versucht was vom Grill / Tisch zu klauen, nicht ein Mal gab es Probleme in seinem neuen Rudel.

Duza, wir wünschen dir alles Gute für die Zukunft!