Rückblick 2004 bis 2008


Der erste Besuch im Tierheim Dluzyna Gorna in Polen fand am 24.10.2004 statt. Das Tierheim befand sich damals in einem katastrophalen und sehr armen Zustand. 150 Hunde, einige wenige Katzen und hin und wieder auch Wildtiere fanden  dort eine Unterkunft. Die Hunde vegetierten in alten Zwingern oder an Hundehütten gekettet. Die Zwinger waren alt und rostig, die Tiere lagen auf durchlöchertem Betonboden, die Außenzwinger waren nicht überdacht. Bis zu 11 Hunde mussten sich einen Zwinger teilen. Die Hygienezustände waren eine Katastrophe, die Tiere standen und lagen in ihrem eigenen Kot und Urin. Erhöhte Liegeplätze waren nicht vorhanden.

Die leeren Futter- und Wasserschüsseln standen ebenfalls auf dem Boden, die Futterschüsseln dreckig und die Wasserschüsseln bereits grün angelaufen. Das gesamte Tierheim stank. Durch die enorme Überfüllung der Zwinger war die Aggression der Hunde nahezu greifbar. Es kam regelmäßig zu Beißattacken und schlimmen Verletzungen. Es gab nicht einen Monat in dem nicht mindestens ein Hund zu Tode gebissen  wurde oder wegen lebensbedrohlicher Verletzungen eingeschläfert werden musste.

Neugeborene Hunde- und Katzenwelpen wurden ebenfalls umgehend eingeschläfert. Solange die Tiere die Augen noch geschlossen haben, ist das gesetzlich in Polen erlaubt. Das Tierheim besaß keine Einzelzwinger um die Muttertiere und ihren Nachwusch zu separieren. Es fehlte an Personal, Futter und ebenso fehlt es an Interessenten für die Tiere also wozu sollte man noch mehr Tiere und Leid aufnehmen?

Die Kettenhunde hatten kurze Leinen, die Hundehütten waren alt und vermodert. Der Wind pfiff im Winter durch unzählige Löcher, im Sommer waren die Tiere der puren Sonne ausgeliefert. Bei starken Regen und zur Herbst- und Winterzeit standen die Kettenhunde in knöchelhohem Schlamm, den sie mit in ihre kaputten Hundehütten trugen.

Das Tierheimgebäude war stark renovierungsbedürftig, der Putz fiel von den Wänden, überall war es dreckig, abgebrochene Fließen waren überall zu sehen, in der Küche schimmelten die Wände, die Türen ließen sich zum Teil nicht öffnen oder schließen, von den Toiletten erst gar nicht die Rede... Im Futterlager standen angeschimmeltes Brot, Brötchen, Fleischabfälle wie Knochen und Wurst, ebenso Käse. Nur selten gab es Hundetrockenfutter oder Dosenfutter. Dort tummelten sich die Mäuse und Ratten. Die gesammelten Abfälle wurden in einen großen Bottich geworfen und unter starker Hitze aufgekocht, der Dampf konnte in der Küche nicht abziehen und so schimmelten dort die Wände und die Decke. Diese "Suppe" bekamen die Hunde anschließend zum Fressen. Das Wasser aus der Leitung wurde ursprünglich aus einem Fluss gepumpt und ins Tierheim geleitet, warmes Wasser gab es nur über einen kleinen Boiler, jeder Pfleger brachte täglich sein eigenes Trinken mit ins Tierheim, da das Wasser nicht 100 % trinkbar war. Auch so hatte das Tierheim nicht viel, selbst einfache Handtücher gab es nicht, es wurde mit alten so durchlöcherten Lumpen geputzt, dass sie eigentlich nur noch für den Müll zu gebrauchen waren.

Der allgemeine Gesundheitszustand der Hunde war ebenfalls eine reine Katastrophe. Tierärztliche Versorgung war nahezu ein Fremdwort. Die Tiere wurden zwar bei Neuaufnahme gründlich untersucht, entwurmt, entfloht und geimpft aber alles weitere wurde ihnen selbst überlassen. Kam ein Tier mit Knochenbrüchen oder anderen Verletzungen ins Tierheim, so wurden auch diese behandelt, verletze sich ein Hund im Tierheim, so musste er damit alleine zurechtkommen. Erkrankte ein Tier im Tierheim, so wurde es meistens viel zu spät bemerkt und es blieb nur noch die Spritze.

Bei den Katzen gab es ganz andere Probleme. In der Regel werden Katzen nur selten ins Tierheim gebracht und noch seltener werden sie vermittelt. Also ließ man die Tiere früher oder später einfach laufen. Aber im Frühjahr war das nicht möglich, denn dann ertrinkt das Tierheim in einer Katzenschwämme. Mit Deutschland ist dies nicht zu vergleichen. Im Tierheim Dluzyna Gorna werden an einem Tag bis zu 11 Jungkatzen abgegeben und das auf mehrere Monate hochgerechnet ergibt eine schwindelerregende Höhe an Tieren. Die Tiere zu Isolieren, sie in Quarantäne zu setzen ist bei einer solchen großen Anzahl und so wenig Zwingern unmöglich. Die Tiere befinden sich in allen möglichen Altersklassen, von Jungkatzen bis hin zu alten Tieren. Welpen die eigentlich noch von ihrer Mutter und deren Milch abhängig sind verhungerten elendig. Andere Tiere starben an eingeschleppten Schnupfen oder Druchfallerkrankungen. Eigentlich sitzt man diese Schwemme nur ab und hofft, dass die Tiere möglichst schnell sterben und keine neuen nachkommen. Die Ausstattung der Zwinger war spärlich, ein alter Schrank mit dreckigen Decken ausgelegt, eine Schüssel mit Holzspäne gefüllt und zwei leere Schüsseln...

Die Gründe für diese mangelnde tierärztliche Versorgung lagen bei vielen Punkten, einer davon und wohl der wichtigste waren die Pfleger. Sie besaßen weder eine Schulung noch andere Sachkenntnisse im Bereich der Tierpflege, hinzukommt ohnehin das allgemein bekannte Denken über die "Sache Tier". Die Arbeitsplätze im Tierheim ähneln deutschen 1 Euro Jobs und so bewarben sich nur Menschen auf diese Arbeit, die das Geld nötig hatten und denen die Arbeit egal war. Vom Alkoholkranken, Drogensüchtigen bis hin zu Obdachlosen, jeder konnte sich auf diesen Job bewerben. Viele Tierpfleger gingen aggressiv und gewalttätig mit den Tieren um, der Blick nach kranken oder verletzen Hunden gehörte nicht zu ihren Aufgaben. Sie machten nur das, was in ihren Verträgen stand: Zwinger reinigen, Fütterung und Hundeaufnahme oder -abgabe. Nach wenigen Monaten warfen auch sie das Handtuch und kamen nicht mehr zum Arbeiten.  Oft kam es vor, dass das Tierheim nicht besetzt war, da man sich auf das Personal nicht verlassen konnte.

Der Tierheimleiter war oft der Verzweiflung nahe. Was konnte er schon mit seinen geringen Mitteln ändern? Am Tag arbeiteten zwei Pfleger in Schichtarbeit im Tierheim. Das heißt, für 150 Hunde und einige Katzen stand über den ganzen Tag verteilt nur ein Pfleger zur Verfügung. Er konnte keinen Pfleger aufgrund seines Verhaltens kündigen, denn dann fehlte eine Person die sich um die Tiere kümmerte. Das Tierheim litt unter Personalmangel, oft fehlten bis zu 3 Arbeiter.

 

Was hat sich geändert?

 

4 Jahre später kann man das Tierheim Dluzyna Gorna nicht mehr mit dem alten Tierheim vergleichen. Vieles hat sich geändert, nicht nur die Einstellung zu den Tieren.

Das Personalproblem scheint größtenteils gelöst zu sein. Im Laufe der Zeit fanden immer mehr tierliebe Menschen den Weg ins Tierheim. Während das unzuverlässige Personal nach kurzer Zeit wieder gekündigt hat, blieben die Menschen, denen nicht das Geld sondern die Tiere wichtig waren und denen die Arbeit Spaß machte. Sie kümmern sich nach ihren bescheidenen Möglichkeiten um die Tiere. Sie laufen durch die Zwinger und schauen sich einzelne Tiere an, verletze oder kranke Tiere werden dem Tierarzt vorgezeigt und behandelt. Mittlerweile gibt es sogar 2-3 ehrenamtliche Helfer, die regelmäßig ins Tierheim kommen und mit Hunden spazieren gehen oder sich um die Katzen kümmern. Es werden private Hilfsaktionen zu Gunsten kranker Tiere gemacht, es wird Geld für OPs gesammelt und man bemüht sich um Vermittlungen.
Das Tierheim und die Zwinger sind sauber, zwar müssen die Hunde immer noch ihr Geschäft in ihren Zwingern verrichten, aber die Zwinger werden 2-mal am Tag gereinigt. Die Futter- und Wasserschüsseln sind sauber und gefüllt. Die Tiere müssen dank Liegebretter nicht mehr auf Beton oder den Fliesen liegen.

Das Problem der Überbelegung ist zwar noch bei weitem nicht gelöst, aber es wurde angefangen, die Überbelegung zu stoppen. In den letzten 3 Jahren wurden mit Hilfe unseres Tierschutzvereins ca. 34 neue Zwinger gebaut. Durch die neuen Zwinger befinden sich „nur“ noch 6 Hunde in einem Zwinger. Für unverträgliche oder verletze Hunde gibt es 8 Einzelzwinger und 16 weitere Zwinger, die als Einzelzwinger genutzt werden können. Diese 16 Zwinger werden aber in der Regel mit 2 Hunden belegt. Durch den Zwingerneubau konnten einige Kettenplätze in Zwinger verwandelt werden.

Aufgrund dieser  Verbesserungen ist auch der Gesundheitliche Zustand der Tiere verbessert worden. Es kommt kaum noch vor, dass sich Hunde zu Tode beißen, aufgrund der Pfleger und ehrenamtlichen Helfer fallen kranke und verletzte Tiere schneller auf und können behandelt werden. Durch eine Gesetzesänderung in Polen werden nun auch alle Hunde gechipt.

Das Tierheim hat selbständig das Gebäude renoviert. Alle Holztüren wurden durch neue moderne Türen ausgetauscht, die Küche wurde saniert und es wurde ein Abzug für den Kochbottich eingebaut, so dass nichts mehr schimmelt. Die Wände wurden neu verputzt und mit Latexfarbe angestrichen um sie jederzeit abwaschen zu können. Ebenfalls wurden die Zwinger neu gestrichen.
Wir haben uns finanziell bei der Sanierung beteiligt und halfen Geld für neue Fließen zu sammeln. Hier durch wurde das gesamte Tierheimgebäude (Küche, Behandlungszimmer, Flure) sowie die Quarantänezwinger, Katzenzwinger und Hundeinnenzwinger gefliest.  

 
Im Tierheim steht nun ein eiserner Bestand an Hundetrockenfutter und Dosenfutter. Es wird zwar weiterhin mit Fleischabfällen gefüttert, diese sind jedoch so gelagert, dass Ratten und Mäuse keinen Zugang mehr haben.

Die Außenzwinger wurden erst vor kurzem Überdacht, so dass sich die Tiere bei Regen ebenfalls draußen aufhalten können, ohne nass zu werden.

Desweiteren wurden die restlichen alten Hundehütten durch neue isolierte Hundehütten ausgetauscht, diese stehen auf Europaletten, damit sie nicht mehr im Schlamm stehen müssen. Durch das Baumpflanzprojekt werden  die Hunde in einigen Jahren genügend Schatten bekommen um die heißen Sommertage zu überstehen. Zurzeit müssen sie sich jedoch noch mit extra aufgestellten Holzwänden die Schatten spenden zufrieden geben.

Die Zwinger der Katzen sind sauber und die Näpfe sind gefüllt. Es stehen Kratzbäume, Körbchen, Decken, Katzenklos und viele Spielsachen darin.

Wegen einiger oben genannten Projekte konnte das Tierheim sogar das Radio und TV ins Tierheim locken. Positive Werbung hat das Tierheim sehr nötig.

 

Pläne für die kommenden Jahre

Auch wenn es überall Verbesserungen gibt, so leiden die Tiere weiterhin im Tierheim. Unsere Ziele für die nächsten Jahre bestehen darin,

 

-          die Vermittlung von alten, behinderten oder verhaltensgestörten Tieren zu verbessern.

-          Weiterhin die Überbelegung zu Minimiren.

-          Die tierärztliche Versorgung auszubauen und Kastrationsaktionen zu starten.

-          Überauswichtig sind Ausläufe für die Tierheimhunde. Sie benötigen Plätze, wo sie ungestört rennen und toben können, Aggressionen abbauen und Sozialkontakte fördern.

-          Eine ausreichende Katzenquarantänestation aufzubauen, die die große Anzahl von Katzen während der Katzenschwämme auffangen kann.

-          Mehr ehrenamtliche Helfer zu begeistern, die sich um die Tiere kümmern.

 

Helfen Sie uns, diese Ziele zu erreichen, besonders die Ausläufe und die Katzenquarantäne sind uns im Jahr 2009 überaus wichtig. Unterstützen Sie uns bei der Finanzierung der Ausläufe, schreiben Sie uns Ideen und Vorschläge oder melden Sie sich als Pflegestelle. Die Tiere sind auf Ihre Hilfe angewiesen und nur gemeinsam können wir Berge versetzen!