Sonnen- und Schattenseiten des Tierheims Dluzynie Gorna im Juni 2006

03.06.2006


Endlich war es wieder so weit, der Freundeskreis "Die Vergessenen" machte sich auf den Weg ins Tierheim Dluzynie Gorna in Polen. Vieles hatten wir uns vorgenommen, begleitet von strahlender Sonne machten wir uns an die Arbeit.

Die erste Hundehütte, die eine Woche zuvor in Eigenregie gebaut wurde, wurde im Tierheim aufgebaut.

Der benachbarte Kettenhund schaute sich die ganze Prozedur aus nächster Nähe an, schon während des Aufbaus beschloss er, die Hundehütte als "Seins" zu markieren und zur Sicherheit wurde noch zwei mal mehr markiert, damit auch jeder bescheid weis: Diese Hundehütte gehört mir.

Nach getaner Arbeit wurde erstmal "Probegelegen und -geschaut", ja so kann man leben *g*

Dieser Kettenhund möchte sich bei allen Spendern recht herzlich bedanken und hofft auf weitere Hundehütten für seine vielen Freunde!

 

Die erste Aufgabe war geschafft,

nun machten wir uns an die Arbeit ca. 70 Hunde zu katalogisieren.

Ich persönlich hätte niemals gedacht, wie anstrengend so etwas sein kann.

Jeder einzelne Hund musste aus den Zwingern geholt werden, fotografiert und die jeweiligen Daten aufgenommen werden. Wer hier angst vor Dreck und Geruch hatte, war am falschen Ort, einige Hunde mussten auf den Arm genommen werden, da sie sich sonst nicht fotografieren ließen. Viele Hunde suchten oft engen Körperkontakt.

"Schmusen und Küsschen geben erwünscht"

Für diese Aufgabe brauchten wir 2 x einen halben Tag!

 

In den kurzen Pausen die wir uns erlaubten, gingen wir durchs Tierheim und machten uns ein aktuelles Bild der Situation.

Besonders aufgefallen sind mir bei dieser Fahrt die vielen Katzen.

Die Katzen im Tierheim dürfen aus ihren Zwingern raus, können sich auf dem ganzen Gelände und außerhalb des Tierheims frei bewegen. Als Begründung wurde uns gesagt, das sie so weniger anfällig für Krankheiten sind (Stressvermeidung).

Sogar ca. 2-3 Wochen alte Katzenwelpen gab es im Tierheim.

Eine Mutter sollten sie haben, aber finden konnten wir sie nicht. Mehrfach sammelte ich die kleinen Würmer ein und brachte sie in ein Körbchen.

 Am nächsten Tag waren diese Zwei verstorben....

 

Während wir am katalogisieren der Hunde waren, rief mich eine Kollegin zu sich. Ihr ist eine kleine Hündin aufgefallen, die von ihren Zellengenossen "gemoppt" wurde und die eine seltsame große Beule auf der Nase hatte. Wir ließen die Hündin aus ihrem Zwinger holen und in einen Einzelzwinger bringen.

Auf dem Weg zum Einzelzwinger, tastet der Tierpfleger die Beule ab - als plötzlich ein Blutstrahl aus ihrer Nase lief. Wir merkten, das um ihre Nase herum überall Blut klebte, die Hündin röchelte beim Atmen.

Untersuchen konnte die Hündin zu diesem Zeitpunkt niemand, der Tierarzt sollte erst in einigen Stunden ins Tierheim kommen.

Wir versorgten die namenlose Hündin mit Wasser und ein wenig Futter, welches sie aber nicht annahm.

 

Als der Tierarzt am späten Nachmittag im Tierheim ankam, untersuchte er sie als aller erste. Das Nasenbein war gebrochen, nein eher zerschmettert. Die Nase lief mit Blut voll, dadurch entstand die Beule.

Die Hündin wurde in Narkose gelegt, als der schlimme Befund kam: Krebs.

Der Krebs hatte bereits alle Knochen um die Nase und Stirn herum vernichtet!

Wir mussten sie schweren Herzens gehen lassen - viele Tränen sind geflossen.

 

Aber auch erfreuliche Augenblicke gab es.

Beim fotografieren der Hunde fiel uns diese arme Seele auf.

Total verfilzt und nach Fäkalien stinkend.

Es wurde nicht lang überlegt, unsere Kolleginnen Aletta und Nadine wussten was zu tun ist.

Mit einer einfachen Schäre bewaffnet machten sie sich an die Arbeit:

Huch, wer ist den das?

 So lässt es sich doch gleich besser Leben...

 

Ein weiteres trauriges Schicksal, was jedoch noch nicht zu Ende sein sollte und wir es ändern wollten:

 

Joker

Gefunden durch eine Kollegin in einem der überfüllten Zwinger, am Boden liegend, am ganzen Körper zitternd, ohne Kraft aufzustehen... Erste Diagnose des Tierpflegers: Von anderen Hunden zusammengebissen.

Wir holten ihn aus seinem Zwinger und brachten ihn erstmal an einem Kettenplatz unter, versorgt mit Wasser und Futter warteten wir auf den Tierarzt...

  

Der Tierarzt versorgte Jokers Wunden, gab ihm Antibiotika.
Um die Gefahr weiterer Beißereien zu vermeiden, bekam Joker einen Einzelzwinger, in dem er zu Kräften kommen konnte. Auch hier wurde er mit Wasser, Futter und einer Decke versorgt.

Nachtrag 16.06.06:

Eine Pflegestelle war gefunden!

Im Tierheim angekommen um Joker in die Arme zu schließen, erfuhren wir die schreckliche Nachricht.

Joker, der wieder an die Kette musste, riss sich los und geriet an den Falschen... Joker wurde erneut gebissen, die Verletzung war zu groß um helfen zu können.

Joker verließ uns nur wenige Stunden bevor wir ihn hätten retten können...

WIR VERMISSEN DICH!

Die Zeit rannte uns davon und wir wünschten uns mehr davon zu haben.

Ein letztes mal lief ich durchs Tierheim...

Für mich und meine Begleiter kam die Zeit sich zu verabschieden - von Hund, Katze und Menschen - die ich mittlerweile alle in mein Herz geschlossen habe und nicht missen möchte.

 

DANKE an Aletta, Susanne, Denise, Karina, Nadine sowie meinem Vater, dem Tierheimleiter und Pflegern!